Der richtige Wein zur richtigen Zeit: Und welche Rolle Licht bei der Weinwahl spielt
- Mike

- vor 3 Tagen
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Welcher Wein passt gerade?
Die Frage klingt erst mal simpel. Meist denken wir an Essen, Rebsorte oder vielleicht noch an die Temperatur draußen. Die Tageszeit spielt dabei kaum eine Rolle.
Dabei verändert sich ein Tag ständig: Licht, Temperatur, Essen, Gesellschaft und damit manchmal auch das, worauf man Lust hat.
Die Umgebung kann sogar beeinflussen, wie wir Wein wahrnehmen. Nicht der Wein verändert sich. Unser Eindruck von ihm kann sich verändern.
Was Licht mit unserer Wahrnehmung von Wein macht
Forscher der Johannes Gutenberg-Universität Mainz haben untersucht, ob die Farbe des Umgebungslichts die Wahrnehmung eines Weins verändert.
Dafür wurde ein trockener Riesling unter verschiedenfarbigem Licht verkostet. Die Versuchspersonen tranken aus schwarzen Gläsern, damit die Farbe des Weins selbst nicht sichtbar war.
Das Ergebnis: Bei rotem und blauem Licht wurde derselbe Wein besser bewertet als bei grünem oder weißem Licht. In weiteren Versuchen beeinflusste das Umgebungslicht auch die geschmackliche Wahrnehmung. Der Wein blieb derselbe.
Wichtig ist dabei ein Unterschied: Die Studie untersucht farbiges Umgebungslicht. Sie beweist nicht, dass ein Wein bei natürlichem Tageslicht anders schmeckt als am Abend.
Aber sie zeigt etwas, das für den Alltag ziemlich spannend ist: Geschmack findet nicht isoliert im Glas statt. Auch die Umgebung spielt mit hinein und kann beeinflussen, wie wir einen Wein wahrnehmen.
Nicht die Uhr entscheidet, welcher Wein passt
Es gibt keinen Weißwein für 18 Uhr und keinen Rotwein für 22 Uhr.
Mal wird früh gekocht, mal kommt noch jemand dazu. Mal ist es ein Glas und mal sitzt man noch zusammen, obwohl das Essen längst vom Tisch geräumt ist.
Die Uhr hilft da nur bedingt. Die bessere Frage ist: Was passt gerade?
Was Frisches zum Kochen? Ein Rosé zum Essen? Später ein Rotwein?
Und wer um 22 Uhr noch Lust auf Weißwein hat, hat um 22 Uhr eben Lust auf Weißwein.
Beim Wein gibt es erstaunlich viele Gewohnheiten, die irgendwann zu Regeln geworden sind. Dabei darf Wein unkompliziert sein. Nicht die Uhr entscheidet, sondern das, worauf man gerade Lust hat.
Wenn der Tag zum Abend wird
Anfang September merkt man das besonders gut. Der Tag kann noch so sommerlich sein, am Abend wird es früher dunkel. Zwei Stunden machen da schon einen ziemlich großen Unterschied. Nicht am Wein, sondern am Drumherum.
Das erste Glas gibt’s vielleicht noch bei vollem Tageslicht. Später dämmert es, drinnen geht das Licht an und wenn es draußen ganz dunkel ist, vielleicht auch eine Kerze.
Dazu kommen die Temperatur, das Essen und die Menschen, mit denen man zusammensitzt.
Die Wahrnehmung eines Weins kann vom Umfeld beeinflusst werden. Wie stark natürliches Tageslicht allein dabei wirkt, beantwortet die Mainzer Studie nicht. Und natürlich nimmt jeder Mensch einen Wein anders wahr.
Für die eigene Weinwahl reicht aber schon ein anderer Gedanke:
Vielleicht müssen wir gar nicht zuerst fragen, welcher Wein grundsätzlich der richtige ist. Vielleicht müssen wir einfach merken, welcher Wein gerade passt.
Portugal, Spanien und ein bisschen mehr Leichtigkeit
In Portugal und Spanien ist Wein eng mit Essen, Zusammensitzen und regionaler Kultur verbunden. In Portugal wird Wein vom Instituto da Vinha e do Vinho ausdrücklich als Teil der Gastronomie und kulturellen Identität beschrieben. Vielleicht ist es das, was wir gern etwas lockerer als mediterranes Lebensgefühl bezeichnen. Wein beim Lunch, zum Dinner, beim Barbecue, am Meer oder wenn der Abend später doch noch länger wird.
Küstenweiße stehen für die frische Seite davon. Weißweine aus den Küstenregionen Portugals (Algarve, Alentejo) und Spaniens (Andalusien), oft mit viel Frische, lebendiger Säure und weniger Schwere. Zum Fisch oder Gemüse, draußen am Tisch oder dann, wenn einfach etwas Frisches ins Glas soll. Keine feste Uhrzeit, keine feste Regel.
Auch beim Rotwein darf es ein bisschen lockerer werden. Ein gutes Beispiel ist gekühlter Rotwein. In Spanien zum Beispiel werden leichtere, saftigere Rotweine durchaus kühl oder leicht gekühlt getrunken. Was heute gern unter Begriffen wie „Chillable Reds“ als Trend auftaucht, ist dort nichts Ungewöhnliches.
Das heißt natürlich nicht, dass jeder Rotwein kalt ins Glas gehört. Aber Rotwein muss auch nicht automatisch warm, schwer und für später sein. Es kommt auf den Wein an.
Und irgendwann kommt der Mitternachtswein. Nicht weil die Uhr auf zwölf zeigt, sondern weil der Abend noch einmal an Fahrt gewinnt.
Zwischen Küstenweißen und Mitternachtswein ist ziemlich viel Platz. Dort spielt sich Wein meistens ab: beim Essen, draußen, mit Freunden, zwischendurch und manchmal länger als gedacht. Feste Tageszeiten braucht es nicht.
Weiß, Rosé oder Rot?
Weiß, Rosé oder Rot müssen keiner festen Reihenfolge folgen.
Ein frischer Weißwein kann beim Kochen passen, ein Rosé zum Essen und ein Rotwein im Anschluss vor dem Kamin.
Manchmal bleibt man aber auch einfach bei dem Wein, der gerade im Glas ist. Weil er passt. Zum Moment, zu den Leuten, zur Stimmung.
Das Weingut Arvad am Fluss Arade bei Silves an der Algarve zum Beispiel bietet mit seinem Branco, Rosé und Tinto verschiedene Möglichkeiten. Drei Weine, keine feste Uhrzeit, keine feste Stimmung.
Der richtige Wein zur richtigen Zeit
Vielleicht muss man die Frage gar nicht so kompliziert machen.
Nicht zuerst auf die Uhr schauen, sondern darauf, was gerade los ist.
Kochen wir? Sitzen wir draußen? Ist das Essen vorbei? Bleibt es heute bei einem Glas? Oder entwickelt der Abend gerade seine eigene Dynamik?
Licht gehört dazu. Genauso wie Temperatur, Essen und die Menschen, mit denen man zusammensitzt. Der Wein muss sich dabei an keine feste Reihenfolge halten. Du auch nicht.
Für jeden Moment gibt es den passenden Wein.
Häufige Fragen zum Wein zur richtigen Zeit
Kann Licht die Wahrnehmung von Wein beeinflussen?
Farbiges Umgebungslicht kann beeinflussen, wie ein Wein wahrgenommen wird. In der Mainzer Studie wurde derselbe Riesling unter verschiedenfarbigem Licht unterschiedlich bewertet. Daraus lässt sich aber nicht ableiten, dass natürliches Tageslicht automatisch einen bestimmten Geschmack erzeugt.
Was bedeutet Wein zur richtigen Zeit?
Damit ist keine bestimmte Uhrzeit gemeint. Gemeint ist der Wein, der zu dem passt, was gerade passiert. Licht, Temperatur, Essen, Gesellschaft und auch die eigene Stimmung spielen dabei eine Rolle.
Gibt es den richtigen Wein für eine bestimmte Tageszeit?
Nein. Eine feste Uhrzeit entscheidet nicht darüber, welcher Wein passt. Ein Weißwein kann spät am Abend genauso richtig sein wie ein leichter Rotwein früher am Tag.
Kann Rotwein gekühlt getrunken werden?
Ja. Vor allem leichtere, fruchtbetonte und auch manche mittelkräftige Rotweine können etwas kühler sehr gut funktionieren. Nicht jeder Rotwein eignet sich dafür. Je kräftiger und tanninreicher ein Wein ist, desto vorsichtiger sollte man mit sehr niedrigen Temperaturen sein.
Muss im Herbst automatisch Rotwein ins Glas?
Nein. Jahreszeiten verändern unsere Gewohnheiten, sind aber keine Weinregel. Rosé kann auch im September oder Oktober passen, genauso wie ein leichter Rotwein an einem warmen Tag.
Dieser Artikel ist Teil unserer Reihe Wine & Season bei Biowein Iberia. Wir verbinden Weine mit den Momenten, in die sie gehören, von Portugal und Spanien bis an die Nordsee.
Genieße verantwortungsvoll. 18+
Autor: Mike Mehlau, https://www.linkedin.com/in/mikemehlau-biowein




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