top of page

Veganer Wein: Was das bedeutet und wie du ihn erkennst

  • Autorenbild: Mike
    Mike
  • vor 8 Stunden
  • 6 Min. Lesezeit

Veganer Wein ist Wein, der ohne tierische Produkte hergestellt wird. Das klingt selbstverständlich, weil Wein aus Trauben entsteht. Der Unterschied liegt im Weinkeller: Bei der Klärung kommen oft tierische Schönungsmittel zum Einsatz, etwa Eiklar, Kasein aus Milch, Gelatine oder Hausenblase aus Fisch. Veganer Wein verzichtet darauf und arbeitet mit pflanzlichen oder mineralischen Mitteln. Erkennen lässt er sich am ehesten am V-Label oder am Schriftzug „vegan" auf der Flasche.


Vegan beim Wein: die Bedeutung


Vegan heißt: es ist kein tierisches Produkt im Spiel. Bei Lebensmitteln schaut man dafür auf die Zutatenliste. Bei Wein funktioniert das nicht ganz so.

Wein besteht aus vergorenem Traubensaft. Hefe wandelt den Zucker in Alkohol um. Bis hierhin ist alles pflanzlich.

Das Tier kommt danach ins Spiel. Nicht als eine Zutat. Als Helfer im Hintergrund. Und dieser Helfer entscheidet darüber, ob ein Wein vegan ist oder nicht.


Warum Wein nicht automatisch vegan ist


Nach der Gärung ist junger Wein trüb. Kleine Schwebeteilchen, Hefereste, Gerbstoffe. Damit der Wein klar wird und stabil bleibt, wird er geklärt. Im Fachjargon heißt das „Schönung".

Beim Schönen gibt man einen Stoff in den Wein, der die Trübstoffe an sich bindet. Das Ganze sinkt zu Boden. Der klare Wein wird oben abgezogen. Über Jahrhunderte hat man dafür tierische Eiweiße benutzt, sie funktionieren dafür sehr gut.

Vier von diesen Stoffen tauchen immer wieder auf. Eiklar aus Hühnereiern, das überschüssige Gerbstoffe bindet und Rotwein milder macht. Kasein, ein Eiweiß aus Milch, das Trübstoffe und Farbe korrigiert. Gelatine, gewonnen aus Knochen und Schwarten von Tieren. Und Hausenblase, die getrocknete Schwimmblase von Fischen wie Stör oder Wels. Mit ihr klärt man vor allem Weißwein.

Diese Stoffe bleiben nicht im Wein. Sie werden am Ende dieses Prozesses mit den Trübstoffen zusammen entfernt. Trotzdem ist der Wein nicht vegan. Für die Herstellung wurden tierische Produkte genutzt, der Wein kam mit ihnen in Kontakt.

Es geht aber auch ohne Tier. Weingüter klären heute mit Bentonit, einer natürlichen Mineralerde. Oder mit Erbsenprotein, Aktivkohle und Eiweiß aus Kartoffeln oder Weizen. Manche verzichten ganz auf die Schönung und lassen den Wein in Ruhe von selbst klar werden. Das dauert länger. Vegan ist es auch.


Bio-Wein und veganer Wein: der Unterschied


Hier liegt das größte Missverständnis. Bio und vegan klingen im Zusammenhang ähnlich, meinen aber zwei verschiedene Sachen.

Bio bezieht sich auf den Anbau. Eine Bio-Zertifizierung sagt, dass die Trauben ohne chemisch-synthetische Pestizide und Kunstdünger gewachsen sind. Es geht um den Weinberg.

Vegan bezieht sich auf den Keller. Es sagt, dass bei der Herstellung kein tierisches Mittel benutzt wurde. Es geht um die Schönung.

Beides hat erstmal nichts miteinander zu tun. Ein Bio-Wein darf mit Eiklar oder Fischblase geklärt werden und bleibt trotzdem Bio. Vegan ist er dann nicht. Und umgekehrt muss ein veganer Wein nicht aus Bio-Anbau stammen.

Am schönsten ist es, wenn beides zusammenkommt. Bio-Trauben aus dem Weinberg, pflanzliche Klärung im Keller. Dann passt es für alle, die auf den Anbau und auf den Tierverzicht achten.


Mythen und Missverständnisse rund um veganen Wein


„Wein ist aus Trauben, also vegan." Der Klassiker. Stimmt für den Saft. Stimmt nicht für den Weg von der Traube in die Flasche.

„Bio ist automatisch vegan." Nein. Auch im Bio-Weinbau sind tierische Schönungsmittel erlaubt. Das eine sagt nichts über das andere.

„Veganer Wein schmeckt anders." Im Glas schmeckt man den Unterschied nicht. Pflanzliche Klärung macht denselben Job wie die tierische Klärung. Was man schmeckt, kommt aus dem Klima, dem Boden und letztendlich vom Winzer und Kellermeister. Nicht aus dem Schönungsmittel.

„Seit 2023 steht alles auf dem Etikett." Nur zum Teil. Seit Dezember 2023 müssen Weine in der EU Zutaten, Allergene und Nährwerte angeben. Ei und Milch tauchen als Allergen auf, wenn Reste im Wein bleiben. Hausenblase und Gelatine werden aber vorher entfernt und gelten als Verarbeitungshilfsstoff. Sie müssen nicht in die Zutatenliste. Vom Etikett allein lässt sich „vegan" also oft nicht ablesen.

„Natural Wine und Orange Wine sind immer vegan." Oft, aber nicht garantiert. Auch hier kommt es darauf an, ob geklärt wurde und womit. Sicherheit gibt die Angabe auf der Flasche oder eine kurze Nachfrage beim Weingut.

„Vegan ist gesünder." Das sagt das Label nicht aus. Vegan heißt tierfrei in der Herstellung. Über Gesundheit, Herkunft oder Qualität sagt es nichts.


Zertifizierung von veganem Wein


Das Wort „vegan" ist nicht gesetzlich geschützt. Jedes Weingut dürfte es theoretisch auf die Flasche schreiben. Damit du dich darauf verlassen kannst, gibt es unabhängige Siegel.

Das bekannteste ist das V-Label. Es gehört der European Vegetarian Union und wird seit 1995 vergeben. 2023 wurde es überarbeitet, damit man vegan und vegetarisch klarer auseinanderhält. In Deutschland läuft die Vergabe über ProVeg. Daneben gibt es die Veganblume der britischen Vegan Society und für Bio-Produkte das EcoVeg-Label.

So läuft eine Zertifizierung: Das Weingut legt offen, welche Mittel im Keller zum Einsatz kommen. Eine Prüfstelle kontrolliert das. Für die Nutzung des Siegels zahlt der Betrieb eine jährliche Gebühr. Erfüllt der Wein die Kriterien, darf das Label auf die Flasche.

Warum der Aufwand? Weil Schönungsmittel nicht in der Zutatenliste stehen müssen. Ein Siegel schließt diese Lücke. Es schafft Vertrauen, ohne dass du im Keller nachfragen musst. Für Weingüter öffnet es einen wachsenden Markt. Für dich ist es die schnellste Antwort auf die Frage, ob ein Wein vegan ist.

Ein Vorteil ist das vor allem dann, wenn ein Weingut ohnehin pflanzlich arbeitet und das sichtbar machen will. Pflicht ist es nicht. Viele kleine Familienbetriebe arbeiten vegan, ganz ohne Siegel. Ein kurze Nachfrage bringt dann Klarheit.


Veganer Wein in Spanien und Portugal


Hier wird es spannend für alle, die iberische Weine mögen. Spanien hat eine der größten Bio-Rebflächen der Welt und liegt in der EU vorn. 2024 waren es über 165.000 Hektar. Vor allem in Kastilien-La Mancha und in Katalonien arbeiten viele Betriebe ökologisch.

Das hat einen netten Nebeneffekt. Wer ökologisch arbeitet, greift im Keller oft schon zu pflanzlichen oder mineralischen Klärmitteln. Erbsenprotein, Bentonit, Eiweiß aus Kartoffeln. Ein großer Teil der Bio-Weine aus Spanien ist dadurch von sich aus vegan, auch ohne Siegel.

Eine eigene gesetzliche Regelung für veganen Wein gibt es in Spanien nicht. Die Zertifizierung läuft über private Stellen. Das V-Label vergibt dort die Unión Vegetariana Española. Immer mehr Bodegas lassen ihre Weine prüfen und kennzeichnen.

In Portugal wächst der ökologische Weinbau ebenfalls. Im Alentejo, im Douro und an der Algarve stellen Weingüter um. Auch hier setzt sich die pflanzliche Klärung durch, und das V-Label taucht zunehmend auf den Flaschen auf. Reife Trauben aus dem Süden brauchen im Keller oft nur sanfte Hilfe.

Für Biowein Iberia kommen hier zwei Dinge zusammen. Ökologischer Anbau und eine Region, in der pflanzliche Klärung längst Alltag ist. Ob ein einzelner Wein vegan ist, klärt am schnellsten eine kurze Nachfrage.


Deutschland als Vergleich


In Deutschland ist veganer Wein längst angekommen. Der Bio-Anbauverband Ecovin hat sich früh mit dem V-Label zusammengetan. Mitgliedsbetriebe können ihre veganen Weine seitdem kennzeichnen. Im Supermarkt und im Fachhandel findest du heute eine wachsende Auswahl mit „vegan" auf dem Rücketikett.

Ein Unterschied zum Süden liegt im Stil. Deutsche Weißweine sind oft frisch und spritzig. Auch sie lassen sich pflanzlich klären, das ist kein Hexenwerk. Beim Bier ist Deutschland übrigens im Vorteil: Das Reinheitsgebot erlaubt nur Wasser, Malz, Hopfen und Hefe. Deutsches Bier ist damit fast immer vegan. Beim Wein lohnt der Blick aufs Etikett trotzdem.


Veganen Wein erkennen


Drei Wege führen hier zum Ziel. Am einfachsten ist das Etikett: Steht „vegan" oder ein V-Label drauf, ist die Sache klar. Dann gibt es die Datenbank Barnivore. Sie sammelt für viele Weine, Biere und Spirituosen, ob sie vegan sind. Und der direkteste Weg bleibt die kurze Nachfrage beim Weingut oder im Handel.

Seit Dezember 2023 helfen auch die neuen EU-Angaben ein Stück weit. Bleiben Reste von Ei oder Milch im Wein, müssen sie als Allergen aufs Etikett. Fehlt so ein Hinweis, ist das ein gutes Zeichen, aber kein Beweis. Hausenblase und Gelatine werden vorher entfernt und tauchen nicht auf. Das Siegel bleibt die sicherste Auskunft.


Zusammenfassung


Kurz gesagt: Wein entsteht aus Trauben, ist aber nicht automatisch vegan. Der Grund liegt in der Klärung, bei der traditionell tierische Mittel wie Eiklar, Kasein, Gelatine oder Hausenblase zum Einsatz kommen. Veganer Wein nutzt stattdessen pflanzliche oder mineralische Alternativen. Bio und vegan sind zwei getrennte Kriterien: Bio meint den Anbau, vegan den Keller. In Spanien und Portugal ist ein großer Teil der Bio-Weine schon von sich aus vegan, weil dort pflanzliche Klärung verbreitet ist. Sicher erkennen lässt sich veganer Wein am V-Label oder am Schriftzug „vegan" auf der Flasche.


Häufige Fragen zu veganem Wein


Was ist veganer Wein? Veganer Wein ist Wein, der ohne tierische Produkte hergestellt wird. Das betrifft vor allem die Klärung im Keller. Statt tierischer Schönungsmittel kommen pflanzliche oder mineralische Mittel zum Einsatz.

Warum ist Wein nicht automatisch vegan, obwohl er aus Trauben besteht? Weil bei der Klärung oft tierische Eiweiße benutzt werden. Eiklar, Kasein, Gelatine oder Hausenblase binden die Trübstoffe. Sie werden danach entfernt, der Wein kam aber mit ihnen in Kontakt.

Ist Bio-Wein automatisch vegan? Nein. Bio bezieht sich auf den Anbau der Trauben, vegan auf die Herstellung im Keller. Auch ein Bio-Wein darf mit tierischen Mitteln geklärt werden.

Wie erkenne ich einen veganen Wein? Am schnellsten am V-Label oder am Schriftzug „vegan" auf der Flasche. Auch die Datenbank Barnivore hilft. Oder du fragst beim Weingut kurz nach.

Schmeckt veganer Wein anders als anderer Wein? Nein. Den Unterschied schmeckt man im Glas nicht. Der Geschmack kommt aus Klima, Boden und Keller, nicht aus dem Schönungsmittel.

Guter Wein braucht keine tierische Hilfe. Nur gute Trauben und Hände, die sich kümmern.


Dieser Artikel gehört zu unserer Weinwissen-Serie bei Biowein Iberia. Hier sammeln wir, was vor dem Öffnen der Flasche gut zu wissen ist. Klar und nützlich.


Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Kommentare


bottom of page