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Alicante Bouschet: Die Rebsorte mit rotem Fruchtfleisch

  • Autorenbild: Mike
    Mike
  • vor 9 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Alicante Bouschet ist eine rote Rebsorte, die 1855 in Südfrankreich gezüchtet wurde und heute zu den wichtigsten Rotweinsorten im portugiesischen Alentejo zählt. Was sie von fast allen anderen Trauben unterscheidet: Nicht nur Schale und Saft sind tief rotgefärbt, sondern auch das Fruchtfleisch selbst. Im Glas zeigt das Wirkung. Tiefes Dunkelrot, fast Schwarz. Kein Wunder, wird die Sorte manchmal "Tinta de Escrever" genannt, zu Deutsch: Schreibtinte.


Was ist Alicante Bouschet überhaupt?


Die Rebsorte kommt nicht, wie der Name vielleicht vermuten lässt, aus der spanischen Hafenstadt Alicante. Sie wurde zwischen 1855 und 1865 in Frankreich von Henri Bouschet aus Grenache und Petit Bouschet gezüchtet. Das Ziel war einfach: eine Traube, die dem Wein Farbe gibt. Alicante Bouschet liefert farbkräftige Rotweine und wird vor allem deshalb häufig für Verschnitte eingesetzt, um dem Wein eine intensiv dunkelrote Färbung zu verleihen.

Rund 36.000 Hektar Rebfläche weltweit sind mit Alicante Bouschet bestockt, womit sie im weltweiten Rebsortenranking Platz 24 belegt. Unter über 60 verschiedenen Namen bekannt, heißt sie in Spanien schlicht Garnacha Tintorera.


Wie schmeckt Alicante Bouschet?


Weine aus Alicante Bouschet sind oft reich an Aromen dunkler Früchte wie Schwarzkirschen und Brombeeren, begleitet von subtilen Noten von Gewürzen und dunkler Schokolade. In eichenausbaugereiften Versionen können sich auch Noten von Schokolade, Rauch und Tabak zeigen. Früher galt die Sorte als Massenware. Kein schmeichelhafter Ruf. Jahrzehntelang wurde Alicante Bouschet als minderwertig angesehen und oft nur als Farblieferant für Cuvées genutzt. In jüngerer Zeit haben namhafte Winzer bewiesen, dass auch sortenreine Weine aus dieser Traube entstehen können. Sie sind selten, aber sie werden mehr.


Warum Portugal und das Alentejo?


Portugal ist heute so etwas wie die spirituelle Heimat der Alicante Bouschet geworden. Und das Alentejo der Ort, an dem die Rebsorte zeigt, was wirklich in ihr steckt.

Die Rebsorte wanderte von Frankreich über Spanien nach Portugal. Die Comissão Vitivinícola Regional Alentejana bezeichnete sie als fraglos die meistgepflanzte nicht-portugiesische Rebsorte des Landes. Das Alentejo gilt oft als die optimale Region für Alicante Bouschet. Mit Sommertemperaturen von bis zu 40 Grad Celsius, kombiniert mit kühlen Nächten, bietet es ideale Bedingungen für diese Rebsorte. Ihre dicke Beerenschale macht sie zudem wenig anfällig für Pilzkrankheiten und eignet sich sehr gut für den biologischen Anbau.

Ein Weingut, das in Portugal wie kein anderes mit der Sorte verbunden ist: Herdade do Mouchão, ein Weingut in den wilden Korkeichenhügeln des nördlichen Alentejo, das seit 1901 besteht. Dort soll Alicante Bouschet bereits im späten 19. Jahrhundert gepflanzt worden sein.


Ist Alicante Bouschet eine autochthone Sorte Portugals?


Nein. Alicante Bouschet ist eine Neuzüchtung von Henri Bouschet aus dem Jahr 1855, also keine ursprünglich iberische Rebsorte. Und trotzdem ist sie heute ein fester Bestandteil des Alentejo-Weins. Manche Sorten kommen, um zu bleiben. Die Alicante Bouschet ist eine davon.


Wozu passt ein Alicante Bouschet?


Der Wein braucht etwas, das mithalten kann. Klassisch passen dunkles Fleisch wie T-Bone-Steak oder Lammkoteletts, aber auch Wild, Ente oder ein Schmorbraten. Portugiesische Küche liegt auf der Hand: schwarzes Schweinefleisch aus dem Alentejo, Cozido à Portuguesa, ein Coelho à caçadora.

Für Vegetarier funktioniert die Kombination mit kräftigen Linsengerichten, Pilzragout oder gereiftem Hartkäse gut. Viel Umami, wenig Kompromiss.


Alicante Bouschet und Klimawandel


Ihre Hitzeresistenz macht die Alicante Bouschet zu einer vielversprechenden Wahl in Zeiten des Klimawandels. Im Alentejo, einer der wärmsten Weinregionen Europas, reift sie verlässlich und mit viel Charakter. Kein schlechtes Argument für die nächsten Jahrzehnte.


Was bleibt?


Alicante Bouschet ist keine Modewelle. Moderne Winzer im Alentejo arbeiten daran, die Wahrnehmung der Rebsorte zu verändern und zu beweisen, dass sie, wenn sie richtig angebaut wird, fruchtige, frische und ausgewogene Weine erzeugen kann. Die Traube, die lange nur im Hintergrund stand, bekommt langsam das Rampenlicht, das ihr zusteht.

Und das Glas? Dunkel, fast undurchdringlich, mit einem Geschmack, der nachwirkt.


Häufige Fragen zu Alicante Bouschet


Was ist das Besondere an Alicante Bouschet? Alicante Bouschet gehört zu den wenigen Rebsorten weltweit, bei denen nicht nur Schale und Saft, sondern auch das Fruchtfleisch rot gefärbt ist. Das nennt man Teinturier-Eigenschaft. Im Wein sorgt das für eine außergewöhnliche Farbtiefe, die von keiner anderen Sorte so einfach erreicht wird.

Wo wächst Alicante Bouschet am besten? Die Sorte ist besonders im Alentejo in Portugal zuhause. Warme Tage, kühle Nächte, arme Böden und viel Sonne schaffen genau die Bedingungen, die diese Rebsorte braucht. In Spanien ist sie unter dem Namen Garnacha Tintorera vor allem in Almansa und Alicante verbreitet.

Ist Alicante Bouschet für den biologischen Anbau geeignet? Ja, sehr gut sogar. Die dicke Beerenschale macht die Sorte widerstandsfähig gegen Pilzkrankheiten, was den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduziert. Für Bio-Weingüter im Alentejo ist sie deshalb eine attraktive Wahl.

Was passt gut zu einem Wein aus Alicante Bouschet? Dunkles Fleisch, Schmorgerichte, Lamm, Wild oder kräftiger Hartkäse. Wer vegetarisch isst: Pilzragout oder ein herzhaftes Linsengericht mit Röstaromen hält dem Wein gut stand.

Ist Alicante Bouschet eine portugiesische Rebsorte? Nein. Die Sorte wurde 1855 in Südfrankreich gezüchtet. Im Alentejo hat sie sich jedoch so fest verwurzelt, dass sie heute untrennbar mit der Region verbunden ist. Die meistgepflanzte nicht-portugiesische Rebsorte des Alentejo, offiziell bestätigt.

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