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Arinto: Portugals autochthone Weißweintraube

  • Autorenbild: Mike
    Mike
  • 4. Juni
  • 4 Min. Lesezeit

Arinto ist eine autochthone weiße Rebsorte aus Portugal. Autochthon bedeutet: von hier, nirgendwo eingeführt, nirgendwo sonst so zu Hause. Sie wächst von der Vinho Verde-Region im Norden bis zur Algarve im Süden, behält ihre natürliche Frische auch bei extremer Sommerhitze und ergibt Weißweine mit klarer Zitrusnote, lebendiger Säure und gutem Alterungspotenzial. 2022 war Arinto die drittmeistangebaute weiße Sorte Portugals.


Herkunft und Verbreitung


1712 beschrieb der portugiesische Autor Vicêncio Alarte Arinto im ersten Weinbau-Traktat, der je in Portugal geschrieben wurde. Sein Urteil: Die Traube sei von hervorragender Qualität, mache den besten Wein und sei so widerstandsfähig, dass sie alle Wetterbedingungen aushält.

Genetische Studien zeigen, dass Arinto vermutlich aus der Region Bucelas nördlich von Lissabon stammt. Dort hat sie ihr historisches Zentrum. Von dort hat sie sich über Generationen auf fast alle Weinregionen des Landes ausgebreitet. Im Norden, in der Vinho Verde-Region, kennt man sie unter dem Namen Pedernã. Im Rest Portugals heißt sie Arinto.


Drei Eigenschaften, die Arinto auszeichnen


Späte Reife, hohe Säure. Arinto reift später als fast alle anderen weißen Sorten Portugals. Weil die Beeren länger am Stock hängen, behalten sie ihre natürliche Säure. Das ist das Markenzeichen dieser Traube. Zitronenschale, Grapefruit, grüner Apfel — nicht als Hintergrundnote, sondern als deutlicher Charakter.

Gutes Alterungspotenzial. Die meisten frischen Weißweine sind nach einem, spätestens zwei Jahren auf ihrem Höhepunkt. Arinto nicht. Gut gemachte Arinto-Weine können sieben Jahre und länger reifen. Mit etwas Zeit kommen Birne und Pfirsich, tropische Fruchtanklänge, und schließlich Bienenwachs und Mandeln. Die Säure bleibt dabei immer der rote Faden.

Starke Blending-Qualität. Arinto wird nicht nur als Einzelsorte ausgebaut, sondern häufig als Blending-Partnerin eingesetzt. In heißen Regionen, wo andere Sorten im Sommer flach werden, gibt sie Weinen Frische und Spannung zurück. Im Alentejo wird sie klassischerweise mit Antão Vaz verschnitten: der eine bringt tropische Fülle, die andere die Frische.


Arinto im Süden Portugals


Im Norden ist Arinto seit Jahrhunderten verwurzelt. Im Süden ist sie eine jüngere, aber zunehmend wichtige Erscheinung.

Das Alentejo, Portugals großes Weinland zwischen Lissabon und der Algarve, ist heiß. Weite Ebenen, trockene Sommer, wenig Regen. Viele Weißweinsorten kommen damit nicht gut klar. Arinto schon. 2022 war sie im Alentejo bereits die zweithäufigste weiße Sorte der Region. Die Winzer setzen sie vor allem als Blending-Partnerin ein, neben Antão Vaz und Síria: Arinto bringt genau die Frische mit, die ein weißer Alentejo-Wein sonst kaum halten kann.

Die Algarve bekommt über 3.000 Sonnenstunden im Jahr. Der Atlantik bringt kühle, salzhaltige Luft von der Küste ins Hinterland. Die meisten Weinberge liegen im Barrocal, dem Hügelland zwischen Küste und dem Gebirge Serra de Monchique. Kalkstein, Schiefer, Tonböden. Arinto wächst hier neben Síria und Malvasia Fina und ist eine der wenigen weißen Sorten, die diesem Klima wirklich gewachsen ist.

Was Arinto aus dem Süden von Arinto aus dem Norden unterscheidet: Im Norden ist sie schlanker, kräuteriger, oft mit einer leichten Würze. Im Süden wird die Frucht reifer. Die Zitrusnoten bleiben, aber der Wein bekommt mehr Körper, mehr Rundheit. Reife Birne, manchmal ein Hauch tropischer Frucht. Und an der Küste, wo der Atlantikwind die Weinberge erreicht, kommt eine feine Salzigkeit dazu.


Arinto als Speisenbegleiter


Arinto ist ein Speisenbegleiter, der von der Säure lebt. Diese Säure schneidet durch Fett, hellt intensive Aromen auf und macht Gerichte leichter zugänglich.

Junger Arinto passt gut zu gegrilltem Fisch, Meeresfrüchten und Bacalhau. Die Kombination mit Bacalhau ist in Portugal klassisch, weil die Zitrusnoten der Traube die Salzigkeit des Fisches ausbalancieren. Leichte Salate mit Zitrusdressing funktionieren aus demselben Grund.

Mit etwas Reife hält Arinto auch üppigere Speisen aus. Oktopus in Olivenöl, Schafskäse, Gerichte mit mehr Substanz. Der Wein verliert dabei seine Frische nicht, bekommt aber mehr Körper, um sich zu behaupten.


Arinto und der Klimawandel


Portugal hat 265 offiziell beschriebene Rebsorten. Einer der höchsten Biodiversitätswerte weltweit.

Arinto ist nicht die bekannteste davon. Touriga Nacional hat mehr Renommee. Alvarinho hat die größere Fangemeinde außerhalb Portugals. Aber Arinto ist eine der anpassungsfähigsten. Sie ist überall. Sie verändert sich mit dem Klima. Und sie verliert dabei ihren Charakter nicht.

Das wird zunehmend relevant. Heiße Sommer, frühere Ernten, weniger Regen. Viele klassische Weißweinsorten verlieren ihre Säure schneller als noch vor zwanzig Jahren. Weinbauforschende arbeiten heute gezielt an Arinto-Klonen, die noch widerstandsfähiger gegen Trockenheit und Hitze sind.

Vicêncio Alarte hat das 1712 auf einen Satz gebracht. "So widerstandsfähig, dass sie alle Wetterbedingungen aushält."

Dreihundert Jahre. Immer noch wahr.


Häufige Fragen zu Arinto


Was ist Arinto? Arinto ist eine weiße autochthone Rebsorte aus Portugal mit historischem Zentrum in der Region Bucelas bei Lissabon. Sie ist bekannt für ihre hohe natürliche Säure, Zitrus- und Fruchtaromen und ihr gutes Alterungspotenzial. 2022 war sie die drittmeistangebaute weiße Sorte Portugals.

Was bedeutet autochthon bei einer Rebsorte? Autochthon bedeutet, dass eine Rebsorte in einer bestimmten Region entstanden und dort seit Jahrhunderten gewachsen ist. Arinto ist eine autochthone Sorte Portugals. Sie wurde nicht eingeführt, sondern hat sich vor Ort entwickelt und an das portugiesische Klima angepasst.

Wie schmeckt Arinto? Jung schmeckt Arinto nach Zitrone, Grapefruit und grünem Apfel. Mit etwas Reife kommen Birne, Pfirsich und tropische Fruchtanklänge dazu. Ältere Arinto-Weine entwickeln Noten von Bienenwachs und Mandeln. Die natürliche Säure bleibt immer spürbar.

Was ist der Unterschied zwischen Arinto aus dem Norden und dem Süden Portugals? Im Norden ist Arinto schlanker, frischer und kräuterig. Im Süden, im Alentejo und der Algarve, wird die Frucht reifer und runder. Die Zitrusnoten bleiben, der Körper nimmt zu. An der Algarve-Küste kommt eine feine Salzigkeit durch den Atlantikeinfluss dazu.

Warum wird Arinto so oft mit anderen Sorten verschnitten? Arinto hat von Natur aus viel Säure. In heißen Regionen wie dem Alentejo, wo andere Sorten flach werden, gibt Arinto den Weinen Frische und Lebendigkeit zurück. Klassische Blending-Partner sind Antão Vaz und Síria.

Wozu passt Arinto am besten? Arinto passt gut zu Fisch, Meeresfrüchten, leichten Salaten und Gerichten mit Zitronennoten. In Portugal ist die Kombination mit Bacalhau klassisch. Ältere Arinto-Weine halten auch üppigere Speisen aus, zum Beispiel Oktopus in Olivenöl oder Schafskäse.

Kann man Arinto lagern? Ja. Gut gemachte Arinto-Weine können sieben Jahre und länger reifen. Dabei entwickeln sie sich von frisch-zitrusfrisch zu komplexer und runder. Ein Arinto mit drei bis fünf Jahren Flaschenreife zeigt oft deutlich mehr Charakter als ein junger Jahrgang.


Dieser Artikel ist Teil unserer Rebsorten-Serie bei Biowein Iberia. Wir stellen iberische Rebsorten vor, die es verdienen, besser bekannt zu sein.

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