Chardonnay: Herkunft, Merkmale und ein seltener Auftritt in Andalusien
- Mike

- 2. Aug.
- 5 Min. Lesezeit
Chardonnay stammt aus dem Burgund in Frankreich. Die Rebsorte ist eine natürliche Kreuzung aus Pinot Noir und Gouais Blanc, nachgewiesen durch DNA-Analysen aus den 1990er Jahren. Chardonnay ist keine autochthone Rebsorte Iberiens. Weder in Spanien noch in Portugal ist sie heimisch. In Spanien wächst sie traditionell vor allem im Norden, in Navarra, Somontano und Katalonien. Im Süden, in Andalusien, ist sie die Ausnahme. Bodega Palomillo im Hochland von Almería baut sie trotzdem an. Verschnitten mit Vermentino ergibt das den Weißwein Joya de Inés del Alma Mía.
Herkunft und Verbreitung
Die Wiege von Chardonnay liegt im Mâconnais, einer Teilregion des Burgund. Das Dorf, das der Rebsorte ihren Namen gab, heißt bis heute Chardonnay. Erste schriftliche Erwähnungen der Sorte reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Kultiviert wurde sie in der Region vermutlich schon deutlich früher, in klösterlichen Weinbergen.
Lange war unklar, woher Chardonnay tatsächlich stammt. Erst DNA-Analysen brachten Klarheit. Die Rebsorte ist eine natürliche Kreuzung aus Pinot Noir und der heute fast vergessenen Sorte Gouais Blanc. Gouais Blanc war im Mittelalter in weiten Teilen Mitteleuropas verbreitet, eine eher einfache Rebe. Aus ihrer Kreuzung mit Pinot Noir entstand eine Sorte, die heute zu den bekanntesten Weißweinen der Welt zählt.
Von Burgund aus hat sich Chardonnay über die ganze Welt verbreitet. Heute wächst sie in mehr als 40 Ländern auf schätzungsweise 200.000 Hektar. Kaum eine andere weiße Rebsorte ist so anpassungsfähig und so weit gereist.
Namensbesonderheit
Chardonnay wurde lange mit einer anderen Rebsorte verwechselt. Pinot Blanc, auf Deutsch Weißburgunder. Die beiden Trauben sehen sich ähnlich, wachsen oft in denselben Regionen und wurden über Jahrzehnte munter durcheinandergebracht. In Italien lief Chardonnay bis in die 1980er Jahre unter dem Namen Pinot Bianco, in Südtirol sogar als Gelber Weißburgunder. Österreich erkannte Weißburgunder erst 1999 offiziell als eigenständige Rebsorte an, nach eindeutigen DNA-Ergebnissen.
Genetisch haben beide Sorten wenig gemeinsam. Weißburgunder ist eine Mutation von Pinot Noir. Chardonnay dagegen ist eine Kreuzung aus Pinot Noir und Gouais Blanc. Verwandt sind sie also nur über die Pinot-Seite, identisch sind sie nicht. In der Steiermark trägt Chardonnay bis heute einen eigenen, offiziell anerkannten Namen: Morillon. Das ist keine Verwechslung, sondern ein regionales Synonym.
Autochthon oder nicht
Nein. Chardonnay ist in Iberien keine autochthone Rebsorte. Ihre Heimat ist eindeutig das Burgund. In Spanien und Portugal wurde sie erst im Zuge der internationalen Rebsorten-Welle angebaut, in Spanien vor allem seit den 1980er und 1990er Jahren, in Portugal noch zurückhaltender. Weder die spanischen Herkunftsbezeichnungen noch die portugiesischen Weinbaukommissionen führen Chardonnay als heimische Sorte, sondern als international zugelassene Rebsorte.
Drei Eigenschaften, die Chardonnay auszeichnen
Anpassungsfähig an fast jedes Klima. Chardonnay gedeiht im kühlen Chablis genauso wie in den heißen Lagen Kaliforniens oder Australiens. Diese Bandbreite ist unter Weißweinsorten selten. Von messerscharfer Mineralität bis zu voller, exotischer Frucht deckt eine einzige Rebsorte ein enormes Spektrum ab.
Geschmacklich zurückhaltend. Anders als aromatische Sorten wie Muskateller oder Sauvignon Blanc hat Chardonnay von Natur aus wenig Eigengeschmack. Das klingt zunächst unspektakulär, ist aber genau ihre Stärke. Boden, Klima und Ausbau prägen den Wein stärker als bei fast jeder anderen Rebsorte. Ein Chardonnay aus dem Stahltank schmeckt völlig anders als einer aus dem Barrique, obwohl beide aus derselben Traube stammen.
Tragende Säule im Schaumwein. Chardonnay ist eine der drei zentralen Sorten der Champagne, neben Pinot Noir und Pinot Meunier. Sortenrein ausgebaut ergibt sie den Blanc de Blancs. Seit den 1990er Jahren ist Chardonnay zudem als Cava-Sorte in Spanien zugelassen, was ihr in Katalonien zusätzlichen Auftrieb gab.
Chardonnay in Spanien: Ein Gewächs des Nordens
Chardonnay nimmt in Spanien eine überschaubare Fläche ein. Etwa 4.200 Hektar sind mit der Sorte bestockt, das entspricht rund 0,4 Prozent der spanischen Gesamtrebfläche. Ihre traditionellen Zentren liegen im Norden: Navarra, Somontano und die katalanischen Anbaugebiete rund um Penedès, wo sie auch für Cava verwendet wird. In kühleren Lagen wie Somontano entstehen frische, mineralische Chardonnays. In wärmeren Regionen zeigt sich die Sorte körperreicher.
Im Süden Spaniens, in Andalusien, ist Chardonnay dagegen selten. Die Region ist vor allem für Sherry und kräftige Rotweine bekannt, nicht für internationale Weißweinsorten. Genau das macht den Anbau im Hochland von Almería, einer der trockensten Regionen Europas, zur Ausnahme.
Auch in Portugal hat sich Chardonnay nach der Nelkenrevolution 1974 kaum durchgesetzt. Während andere Weinländer in den folgenden Jahrzehnten auf internationale Sorten setzten, konzentrierten sich portugiesische Winzer bewusst auf ihre eigenen, teils Jahrhunderte alten Rebsorten. In der Algarve bleibt Weißwein ohnehin die Ausnahme, die Region ist in erster Linie für ihre Rotweine bekannt.
Bodega Palomillo: Chardonnay im Hochland von Almería
Bodega Palomillo liegt in Vélez Rubio, im Norden der Provinz Almería. Das Weingut wurde von Francisco García und Inés Asensio aufgebaut, einem Ehepaar aus Huércal-Overa, das seinen eigenen ökologisch bewirtschafteten Weinberg von Hand angelegt hat. Der Betrieb ist bio-zertifiziert, das EU-Bio-Siegel und die Zertifizierung ES-ECO-001-AN stehen direkt auf dem Etikett.
Im Weißwein Joya de Inés del Alma Mía trifft Chardonnay auf Vermentino. Laut Bodega Palomillo und Biowein Iberia bringt Vermentino die Frische und die tropische Frucht in den Wein, Chardonnay den Körper. Das Ergebnis ist ein goldgelber Weißwein mit ausgeprägten Ananasnoten und einer Vollmundigkeit, die man von einem andalusischen Weißwein zunächst nicht erwartet. Die Trauben werden von Hand gelesen. 2023 wurde der Wein bei den International Wine and Spirits Awards mit Silber ausgezeichnet.
Für eine international geprägte Rebsorte wie Chardonnay ist das eine ungewöhnliche Bühne. Kein Barrique, kein Burgund, sondern ein kleiner Familienbetrieb im trockensten Hochland Europas.
Speisenbegleitung
Der Joya de Inés del Alma Mía entfaltet sich am besten eiskalt serviert. Seine Ananasnoten und seine Frische passen zu Meeresfrüchten aller Art, von Garnelen bis zu gegrilltem Fisch. Auch klassisch als Aperitif funktioniert der Wein gut, dank seiner Kombination aus Frische und Körper.
Zusammenfassung
Chardonnay ist keine autochthone Rebsorte Iberiens. Ihre Heimat ist das Burgund, ihre Verbreitung längst weltweit. In Spanien liegt ihr Schwerpunkt im Norden, in Navarra, Somontano und Katalonien. Im Süden, in Andalusien, bleibt sie die Ausnahme. Bodega Palomillo zeigt im Hochland von Almería, was passiert, wenn eine internationale Sorte auf ein ungewöhnliches Terroir trifft: ein Weißwein mit Körper und Exotik, verschnitten mit Vermentino, gewachsen an einem Ort, an dem man Chardonnay eigentlich nicht erwarten würde.
FAQ
Ist Chardonnay eine autochthone Rebsorte? Nein. Chardonnay stammt aus dem Burgund in Frankreich und ist in keinem anderen Land heimisch, auch nicht in Spanien oder Portugal.
Woher stammt die Rebsorte Chardonnay ursprünglich? Aus dem Mâconnais im französischen Burgund. Sie ist eine natürliche Kreuzung aus Pinot Noir und Gouais Blanc.
Welche Rebsorte wurde lange mit Chardonnay verwechselt? Pinot Blanc, auf Deutsch Weißburgunder. Beide Sorten sehen sich ähnlich, sind genetisch aber nicht identisch. Erst DNA-Analysen brachten in den 1990er Jahren Klarheit.
Wo wird Chardonnay in Spanien angebaut? Vor allem im Norden, in Navarra, Somontano und Katalonien. Insgesamt macht Chardonnay nur rund 0,4 Prozent der spanischen Rebfläche aus.
Ist Chardonnay typisch für Andalusien? Nein. Andalusien ist vor allem für Sherry und Rotweine bekannt. Chardonnay ist dort eine Ausnahme, wie im Fall von Bodega Palomillo im Hochland von Almería.
Welche Rolle spielt Chardonnay im Joya de Inés del Alma Mía? Chardonnay bringt den Körper in den Wein. Vermentino steuert Frische und tropische Frucht bei. Zusammen ergibt das einen vollmundigen, goldgelben Weißwein.
Zu welchem Essen passt Chardonnay am besten? Das kommt auf den Ausbau an. Der Joya de Inés del Alma Mía passt eiskalt serviert zu Meeresfrüchten aller Art und funktioniert auch als Aperitif.
Dieser Artikel ist Teil unserer Rebsorten-Serie bei Biowein Iberia. Wir stellen iberische Rebsorten vor, die es verdienen, besser bekannt zu sein.
Genieße verantwortungsvoll! 18+
Autor: Mike Mehlau, https://www.linkedin.com/in/mikemehlau-biowein/

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