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Sauvignon Blanc: Eine weitgereiste Rebsorte

  • Autorenbild: Mike
    Mike
  • vor 1 Tag
  • 6 Min. Lesezeit

Sauvignon Blanc ist eine weiße Rebsorte aus Frankreich. Die früheste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1534, als François Rabelais sie in seinem Roman "Gargantua" unter dem Namen "Fiers" erwähnte. Ursprungsregionen sind das Loiretal und Bordeaux. Genetische Untersuchungen zeigen Savagnin Blanc als wahrscheinlichen Elternteil. Sauvignon Blanc selbst ist, gemeinsam mit Cabernet Franc, Elternteil von Cabernet Sauvignon, nachgewiesen 1997 durch die Genetiker John Bowers und Carole Meredith von der University of California, Davis. An der Algarve zählt Sauvignon Blanc nicht zu den autochthonen Sorten. Die Comissão Vitivinícola do Algarve führt sie als zugelassene, aber nicht traditionelle Weißweinsorte. Das Weingut Arvad am Fluss Arade pflanzt sie seit 2016 und verarbeitet sie sowohl reinsortig als auch in einer Cuvée mit Arinto und Alvarinho.


Herkunft und Verbreitung

Zwei französische Regionen streiten sich seit Jahrzehnten um den Ursprung von Sauvignon Blanc. Das Loiretal kann die älteren schriftlichen Belege vorweisen, mit der Erwähnung von 1534. Bordeaux taucht in Dokumenten erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts auf. Beide Regionen haben die Sorte über Jahrhunderte geprägt. Im Loiretal entstehen bis heute die Referenzweine Sancerre und Pouilly-Fumé. In Bordeaux bildet Sauvignon Blanc gemeinsam mit Sémillon und Muscadelle die klassische weiße Cuvée, bekannt auch aus den Süßweinen von Sauternes.

Von Frankreich aus hat sich die Sorte über die ganze Weinwelt verbreitet. Neuseeland baut sie seit den 1970er Jahren an, mit der Region Marlborough als international bekanntestem Beispiel. Chile, Südafrika, Australien, Italien und Kalifornien folgen. Auch in Deutschland und Österreich nimmt die Anbaufläche seit Jahren zu. Nach der Rebflächenerhebung des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2023 lag die deutsche Anbaufläche bei rund 2.002 Hektar, fast eine Verdreifachung innerhalb von zehn Jahren. Das Deutsche Weininstitut zählt Sauvignon Blanc damit inzwischen zu den zehn wichtigsten Rebsorten des Landes. Die Pfalz ist mit rund 794 Hektar das größte deutsche Anbaugebiet dafür, vor Rheinhessen mit rund 649 Hektar. Nach einer Erhebung der internationalen Weinorganisation OIV umfasste die weltweite Anbaufläche über 123.000 Hektar. Das macht Sauvignon Blanc zur drittwichtigsten weißen Rebsorte der Welt, nach Airén und Chardonnay.


Ein Name, zwei Weine

Der Name Sauvignon leitet sich vom französischen Wort "sauvage" ab, wild. Er beschreibt den kräftigen, teils unbändigen Wuchs der Reben und ihren intensiven, manchmal grasigen Duft.

Wer nach einer "identischen" Rebsorte sucht, wird bei Blanc Fumé fündig, auch Fumé Blanc genannt. Das ist keine andere Sorte, sondern derselbe Sauvignon Blanc unter anderem Namen. Der Begriff stammt aus Pouilly-Fumé an der Loire, wo die Feuersteinböden den Weinen eine leicht rauchige Note verleihen. Robert Mondavi übernahm den Namen später für seine kalifornischen Weine und machte ihn dort populär. Wer also "Fumé Blanc" auf einem Etikett liest, trinkt Sauvignon Blanc.

Eine zweite Namensverwirrung betrifft Cabernet Sauvignon. Lange hielt man die Namensähnlichkeit für Zufall. Die DNA-Analyse von Bowers und Meredith bewies das Gegenteil. Cabernet Sauvignon ist die Nachkommenschaft aus Cabernet Franc und Sauvignon Blanc, entstanden vermutlich durch eine spontane Kreuzung benachbarter Weinberge in Bordeaux. Die weiße Traube steckt also tatsächlich in der roten.



Autochthon oder nicht: Der Herkunfts-Check

Eine Rebsorte gilt als autochthon, wenn sie in einer Region entstanden ist und dort seit Jahrhunderten zuhause ist. Für Sauvignon Blanc an der Algarve ist die Antwort eindeutig: nein. Die Sorte stammt aus Frankreich, ihre Wurzeln liegen im Loiretal und in Bordeaux, nicht im Süden Portugals.

Die Comissão Vitivinícola do Algarve (CVA) führt Sauvignon in ihrer Liste der zugelassenen Weißweinsorten für die Herkunftsbezeichnungen Lagos, Portimão, Lagoa und Tavira. Zugelassen bedeutet aber nicht traditionell. Historisch prägen andere weiße Sorten die Algarve, etwa Síria (auch Roupeiro genannt), Arinto (Pedernã), Malvasia Fina, Perrum oder Crato Branco. Diese Sorten stehen seit Generationen in der Region, angepasst an Hitze und Trockenheit.

Sauvignon Blanc ist an der Algarve ein moderner Zuzug. Winzer wie Arvad setzen bewusst auf die Sorte, weil sie unter den richtigen Bedingungen Frische und Aromatik liefert, die viele traditionelle Algarve-Weißweine in dieser Form nicht haben. Das macht sie nicht autochthon. Es macht sie zu einer bewussten önologischen Entscheidung.


Drei Eigenschaften, die Sauvignon Blanc auszeichnen

Die Aromaintensität. Verantwortlich dafür sind vor allem zwei Stoffgruppen: Methoxypyrazine, die für grasige, teils an grüne Paprika erinnernde Noten sorgen, und Thiole, die tropische und exotische Aromen wie Maracuja oder Litschi hervorbringen. Welche Gruppe dominiert, entscheidet vor allem das Klima. Kühlere Lagen betonen die grasige Seite, wärmere die tropische.


Der ungewöhnliche Wachstumsrhythmus. Sauvignon Blanc treibt spät aus, reift dann aber vergleichsweise früh. Das macht die Sorte anfällig für Verrieselung und für Pilzkrankheiten wie Echten Mehltau. Winzer müssen den Standort sorgfältig wählen. Karge, trockene und windoffene Lagen begünstigen die Sorte, feuchte und nährstoffreiche Böden eher nicht.


Die natürliche Säure. Sauvignon Blanc bringt von Natur aus eine kräftige Säurestruktur mit, unabhängig vom Klima. In kühlen Regionen wirkt sie schlank und mineralisch, in wärmeren Lagen sorgt sie für die nötige Frische, damit der Wein nicht schwer wird.


Sauvignon Blanc an der Algarve

Die Algarve ist die südlichste Weinregion Portugals, geprägt von einem mediterranen Klima mit deutlichem Atlantikeinfluss. Historisch dominieren rote Sorten wie Negra Mole, bei den Weißweinen sind es vor allem Síria, Arinto und Malvasia Fina, die den Charakter der Region prägen.

Am Fluss Arade, zwischen Silves und der Küste, hat sich das Weingut Arvad seit 2016 auf 14 Hektar der Sorte angenommen. Die weißen Rebflächen wurden bewusst nach Westen ausgerichtet, um den Einfluss des Atlantiks optimal zu nutzen. Der Gebirgszug der Serra de Monchique lenkt kühlere Winde ins Tal des Ribeira de Odelouca und sorgt zusätzlich für Frische, ein Effekt, der an der Algarve nicht selbstverständlich ist. Die Nähe zum Fluss mildert außerdem Fröste im Winter und Hitzespitzen im Sommer ab. Auf den kalkhaltigen Lehmböden am Arade entwickelt Sauvignon Blanc hier eine ausgeprägte Mineralität, die sich deutlich von den tropisch-grasigen Stilen aus wärmeren Neuweltregionen unterscheidet.


Winzer-Anker: Arvad am Arade

Das Weingut Arvad baut neben roten Sorten drei weiße an: Arinto, Alvarinho und Sauvignon Blanc. Aus ihnen entstehen zwei unterschiedliche Weine, in denen Sauvignon Blanc jeweils eine andere Aufgabe übernimmt.

Der Arvad Sauvignon Blanc 2024 ist reinsortig ausgebaut, zu 100 Prozent aus dieser einen Traube. Die Trauben werden in kühlen Nächten gelesen und sanft gepresst, um sie vor Wärme zu schützen. Die Gärung läuft langsam im Stahltank, danach reift der Wein sechs Monate auf der Feinhefe. Das gibt ihm seine cremige Seite und eine leicht salzige Note. Im Glas zeigt er sich grüngelb, mit Aromen von Maracuja, Limette und grünem Apfel, dazu Litschi, tropische Frucht und eine feine Meeresbrise. 11,5 Prozent Vol. Alk. Dieser Wein ist nicht bio-zertifiziert. Wir kennen das Weingut persönlich und stehen für die Art, wie dort gearbeitet wird.

In der zweiten Rolle steckt Sauvignon Blanc in der Cuvée Arvad Branco 2024, verschnitten mit Alvarinho und Arinto. Hier bringt Sauvignon Blanc die zitrische Frische mit ein, während Arinto für die steinige Mineralität sorgt und Alvarinho die salzige Seite betont. Die genauen Verschnittanteile veröffentlicht Arvad nicht, das Ergebnis aber schmeckt man deutlich: ein Weißwein mit Zitrusfrüchten, einem Hauch Meeresluft und dem mineralischen Kalkboden-Charakter des Arade. Auch dieser Wein ist nicht bio-zertifiziert, auch ihn kennen wir persönlich, direkt vom Weingut.


Was zum Sauvignon Blanc passt

Ein Sauvignon Blanc von der Algarve lebt von seiner Frische und der salzigen Mineralität des Atlantiks. Das passt gut zu leichten Vorspeisen, zu Meeresfrüchten und Fisch, ganz besonders zu allem, was selbst eine gewisse Salzigkeit mitbringt. Er funktioniert aber auch ganz ohne Essen, als Wein für den Feierabend am Wasser.


Zusammenfassung

Sauvignon Blanc ist eine französische Rebsorte, keine portugiesische. Ihre Wurzeln liegen im Loiretal und in Bordeaux, ihre engste Verwandtschaft reicht über Savagnin Blanc bis zu Cabernet Sauvignon, dessen Elternteil sie ist. An der Algarve ist sie zugelassen, aber nicht autochthon, ein moderner Zuzug neben traditionellen Sorten wie Síria oder Arinto. Bei Arvad am Fluss Arade zeigt sie zwei Gesichter: reinsortig als Arvad Sauvignon Blanc, mit tropischer Frucht und salziger Frische, und als Teil der Cuvée Arvad Branco, wo sie gemeinsam mit Arinto und Alvarinho für einen mineralischen, zitrischen Weißwein sorgt.


FAQ

Ist Sauvignon Blanc eine autochthone Rebsorte der Algarve? Nein. Sauvignon Blanc stammt aus Frankreich. An der Algarve gilt sie als zugelassene, aber nicht traditionelle Weißweinsorte.

Woher stammt Sauvignon Blanc ursprünglich? Aus dem Loiretal und aus Bordeaux. Die früheste schriftliche Erwähnung stammt von 1534, aus Rabelais' Roman "Gargantua".

Was bedeutet der Name Fumé Blanc oder Blanc Fumé? Das ist keine andere Rebsorte, sondern derselbe Sauvignon Blanc unter anderem Namen. Er stammt aus Pouilly-Fumé an der Loire und wurde später in Kalifornien populär.

Ist Sauvignon Blanc mit Cabernet Sauvignon verwandt? Ja, genetisch nachweisbar. Cabernet Sauvignon ist die Nachkommenschaft aus Cabernet Franc und Sauvignon Blanc, bewiesen 1997 durch DNA-Analysen von Bowers und Meredith.

Wo wird Sauvignon Blanc heute angebaut? Vor allem in Frankreich, Neuseeland, Chile, Südafrika, Australien, Italien und Kalifornien. Auch in Deutschland und Österreich wächst die Anbaufläche.

Welche Rolle spielt Sauvignon Blanc bei Arvad an der Algarve? Eine doppelte. Reinsortig im Arvad Sauvignon Blanc 2024, und als Frischeträger in der Cuvée Arvad Branco 2024, gemeinsam mit Arinto und Alvarinho.

Wozu passt ein Sauvignon Blanc von der Algarve am besten? Zu leichten Vorspeisen, Meeresfrüchten und Fisch. Er funktioniert auch gut ganz ohne Essen, als frischer Wein für den Feierabend.


Dieser Artikel ist Teil unserer Rebsorten-Serie bei Biowein Iberia. Wir stellen iberische Rebsorten vor, die es verdienen, besser bekannt zu sein.


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