Bastardo: eine fast vergessene Rebsorte, zuhause in Portugal
- Mike
- vor 2 Tagen
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Bastardo ist eine rote Rebsorte, die in Portugal zuhause ist, vom Douro über den Dão bis in die Algarve. Bekannt ist sie auch als Trousseau, denn ursprünglich stammt sie aus dem französischen Jura. Ihre Trauben reifen früh, bringen viel Zucker und wenig Säure mit und ergeben helle, leichte Weine. Anders als die für die Algarve typische Negra Mole stand Bastardo dort lange kurz vor dem Verschwinden. Bei Monte da Casteleja in Lagos wächst sie wieder, für frische Rote und für Palhete.
Herkunft und Verbreitung
Bastardo ist eine rote Rebsorte aus der Familie des Trousseau. Unter diesem Namen wird sie im französischen Jura angebaut, wo sie schon 1732 schriftlich erwähnt wird. In Spanien heißt dieselbe Sorte Merenzao oder Maturana Tinta. In Portugal trägt sie den Namen Bastardo und gehört dort zu den alten Sorten, vor allem im Douro, im Dão und in den Beiras. Auch in der Algarve reicht ihre Geschichte weit zurück. Schon 1711 erwähnt der Autor Vicêncio Alarte, derselbe, der später auch die Arinto-Traube beschrieb, die Sorte Bastardo in seinen Aufzeichnungen. Die weltweite Fläche ist heute klein: 2010 standen rund 3.400 Hektar im Ertrag.
Der ungewöhnliche Name Bastardo
Der Name klingt schroff, und darüber gibt es zwei Erklärungen. Die eine führt ihn auf die unklare Herkunft der Sorte zurück. Sie entstand nicht durch gezielte Zucht, sondern durch Kreuzung und Mutation. Die andere Erklärung ist bodenständiger. Bastardo ist eine launische Rebe. Schneidet man das Laub zu früh, trocknen die Beeren in der Sonne zu Rosinen. Lässt man sie zu lange hängen, drohen Fäulnis und Schimmel. Das Wort, das dabei fällt, kennen Winzerinnen und Winzer gut.
Autochthon oder nur eingebürgert?
Kurz gesagt: nicht ganz. Autochthon nennt man eine Rebsorte, die dort entstanden ist, wo sie wächst. Sie ist an einem Ort heimisch geworden und prägt seine Weine. Portugal ist reich an solchen Sorten. Von den 269 offiziell registrierten Rebsorten des Landes gelten rund 250 als autochthon, darunter Touriga Nacional und auch Arinto. Bastardo gehört streng genommen nicht dazu. Ihr Ursprung liegt im Jura, nicht auf der iberischen Halbinsel. Sie ist eine alte, längst eingebürgerte Sorte, aber keine, die in Portugal entstanden ist. Die klassische, alteingesessene Rote der Algarve ist eine andere: die Negra Mole. Trotzdem gehört Bastardo seit Generationen zur Algarve dazu, so wie ein Auswanderer, der über Jahrzehnte zum Nachbarn wird.
Drei Eigenschaften, die Bastardo auszeichnen
Frühe Reife, wenig Säure. Bastardo gehört zu den früh reifenden Sorten. Die Beeren sammeln schnell Zucker, die natürliche Säure bleibt dabei niedrig. Das ergibt Weine mit spürbarer Kraft, die man am besten jung trinkt.
Helle Farbe, wenig Tannin. Die Farbe ist blass, eher Kirsche als Purpur. Für dunklen, kräftigen Portwein hat das nie gereicht. Genau deshalb gaben viele Weingüter im Douro die Sorte im Lauf der Zeit auf.
Robust gegen Trockenheit, empfindlich bei Nässe. Bastardo übersteht lange, trockene Phasen gut. In feuchten Jahren ist sie dagegen anfällig für Mehltau und Fäulnis. Ein Grund, warum sie im warmen, trockenen Süden Portugals besser gedeiht als in feuchteren Lagen.
Bastardo in der Algarve
Die Algarve ist warm, trocken und sonnig. Genau das braucht Bastardo, um reif zu werden. Bei Monte da Casteleja in Lagos stehen die Reben auf Ton-Kalk-Böden, nur wenige Kilometer vom Atlantik entfernt. Rund 400 Millimeter Regen fallen dort im Jahr, mehr nicht. Nachts kühlen Winde aus dem Norden die Trauben spät im Sommer herunter und konzentrieren sie. Für die Rotweine der Algarve ist Bastardo offiziell zugelassen und wird hier seit vielen Jahren angebaut, oft für Rosé und für leichte Rote.
Monte da Casteleja: die Winzerei, die auf eine fast verschwundene Sorte setzt
Ein Weingut hat besonders dazu beigetragen, dass Bastardo in der Algarve nicht verschwand: Monte da Casteleja bei Lagos. Guillaume Leroux übernahm den Hof von seinem Großvater und pflanzte bewusst alte, seltene Sorten, die zu diesem Zeitpunkt in der Algarve kurz vor dem Aussterben standen. Bastardo und Perrum gehören dazu. Das Weingut arbeitet seit 2008 biologisch. Aus Bastardo entsteht dort unter anderem ein Palhete, ein leichter, heller Rotwein, bei dem die Schalen nur kurz mitgären. 2020 war es der erste Algarve-Wein ganz ohne zugesetzte Sulfite, komplett aus Bastardo.
Bastardo als Speisenbegleiter
Bastardo ist kein Wein für den großen Auftritt. Er ist hell, leicht und unkompliziert. Leicht gekühlt macht er sich an warmen Abenden gut. Er passt zu einfachem Essen, zu gegrilltem Gemüse, zu Fisch, zu etwas Schärfe im Gericht. Ein Rotwein, der nicht schwer im Magen liegt und den Abend nicht dominiert. Für jeden Moment gibt es den passenden Wein. Auch für den lauen Abend auf der Terrasse, an dem es leicht bleiben soll.
Der Wert einer fast vergessenen Sorte
Nicht jede alte Rebsorte überlebt die Modernisierung des Weinbaus. Viele wurden gerodet, weil sie weniger Ertrag brachten oder nicht ins Bild eines bestimmten Weinstils passten. Bastardo stand in der Algarve genau davor. Dass sie heute noch wächst, liegt an Winzern, die bewusst auf alte, seltene Sorten gesetzt haben statt auf die sichere Wahl. Das Ergebnis ist Wein, der nach dem Ort schmeckt, an dem er wächst, nicht nach einem austauschbaren Standard. 1711 taucht Bastardo zum ersten Mal in schriftlichen Aufzeichnungen auf. Über 300 Jahre später steht sie immer noch im Weinberg.
Häufige Fragen zu Bastardo
Ist Bastardo dasselbe wie Trousseau? Ja. Trousseau ist der französische Name aus dem Jura, Bastardo der portugiesische. In Spanien heißt dieselbe Sorte Merenzao oder Maturana Tinta.
Ist Bastardo mit anderen Rebsorten verwandt? DNA-Studien aus dem Jahr 2018 zeigen eine enge Verwandtschaft zu Savagnin sowie zu den weißen Sorten Chenin Blanc und Sauvignon Blanc. Eine Verbindung, die man dem kräftigen roten Bastardo nicht sofort ansieht.
Wird Bastardo auch für Portwein verwendet? Früher ja, heute kaum noch. Bastardo ist für Portwein zugelassen, zählt aber nicht zu den empfohlenen Hauptsorten. Für dunklen Port fehlte ihm die Farbe. In alten Tawny-Ports steckt er trotzdem manchmal.
Ist Bastardo-Wein süß oder trocken? Meist trocken. Die Trauben bringen viel Zucker mit, in der Algarve wird daraus aber vor allem trockener, leichter Wein. Süß kennt man Bastardo eher aus alten Traditionen wie dem Madeira.
Kann man einen Bastardo-Rotwein kühlen? Ja. Leichte, helle Rote wie ein Palhete aus Bastardo vertragen ein paar Grad weniger gut. Kurz in den Kühlschrank, dann schmeckt er an warmen Tagen frischer.
Wie viele Rebsorten baut Portugal insgesamt an? 269 sind offiziell registriert, rund 250 davon gelten als autochthon. Damit zählt Portugal zu den Ländern mit der größten Rebsortenvielfalt weltweit. Bastardo gehört zu den eingebürgerten, nicht zu den autochthonen Sorten darunter.
Dieser Artikel ist Teil unserer Rebsorten-Serie bei Biowein Iberia. Wir stellen iberische Rebsorten vor, die es verdienen, besser bekannt zu sein.
Genieße verantwortungsvoll! 18+
Autor: Mike Mehlau, https://www.linkedin.com/in/mikemehlau-biowein/
