Sousão: eine autochthone Rebsorte, zuhause im Norden Portugals
- Mike

- 14. Juli
- 4 Min. Lesezeit
Sousão ist eine rote Rebsorte, die ursprünglich aus dem Minho im Nordwesten Portugals stammt. Anders als viele andere Sorten des Landes gilt sie als wirklich autochthon, in Portugal entstanden und dort zuhause. Ihr Markenzeichen ist die Farbe. Sousão zählt zu den seltenen Rebsorten mit rot gefärbtem Fruchtfleisch, nicht nur roter Schale. Ab etwa 1790 holte man sie deshalb in den Douro, um Portwein seine tiefe Farbe zu geben. Heute wächst sie auch in der Algarve, bei Monte da Casteleja, verschnitten mit Bastardo im Palhete.
Herkunft und Verbreitung
Sousão stammt aus dem Minho, der feuchten, grünen Region im äußersten Nordwesten Portugals. Erste schriftliche Erwähnungen reichen bis ins späte 18. Jahrhundert zurück, der Rebenkundler Rebello da Fonseca beschrieb die Sorte dort als einer der Ersten. Um 1790 fanden Stecklinge ihren Weg in den Douro. Heute steht Sousão vor allem im Vinho Verde, im Douro und im Dão-Lafões. In Galicien, jenseits der spanischen Grenze, wird dieselbe Rebe als Sousón kultiviert, unter anderem in der Herkunftsbezeichnung Monterrei. Kleinere Flächen gibt es in Australien, Kalifornien und Südafrika. Der weitaus größte Teil der weltweiten Anbaufläche liegt aber in Portugal selbst.
Sousão oder Vinhão: dieselbe Traube?
Die Namensgeschichte ist unübersichtlich. Im Vinho Verde heißt dieselbe Rebe meist Vinhão, in Galicien Sousón. Lange galten Sousão und Vinhão als exakt dieselbe Sorte. Neuere genetische Untersuchungen stufen sie als eng verwandt, aber nicht vollständig identisch ein. Deshalb führt Portugals amtliches Rebsortenregister die Sorte inzwischen unter dem Namen Sezão. In der Praxis, auf Etiketten und im Weinhandel, werden Sousão und Vinhão trotzdem weiterhin meist synonym verwendet.
Eine echte autochthone Rebsorte
Autochthon heißt: an einem Ort entstanden, nicht eingeführt. Bei Bastardo, ursprünglich aus dem französischen Jura, trifft das nicht zu, auch wenn die Sorte seit Jahrhunderten in Portugal wächst. Bei Sousão schon. Sie ist im Minho entstanden und gilt unter Fachleuten als zweifelsfrei einheimisch. Von den rund 250 autochthonen Rebsorten Portugals ist Sousão damit eine, die den Namen wirklich verdient, nicht nur eine, die sich eingelebt hat.
Drei Eigenschaften, die Sousão auszeichnen
Rotes Fruchtfleisch, tiefe Farbe. Sousão gehört zu den wenigen Rebsorten, bei denen nicht nur die Schale rot ist, sondern auch das Fruchtfleisch darunter. Das macht sie zu einer der farbintensivsten Trauben, die in Portugal wachsen.
Hohe Säure, wenig Alkohol. Das feuchte, atlantisch geprägte Klima des Minho hält die Trauben frisch. Sousão liefert Weine mit spürbarer Säure und moderatem Alkoholgehalt, selbst wenn andere Sorten in der Hitze längst überreif wären.
Dicke Schale, robuste Reben. Die Beeren reifen mittelspät und vertragen wegen ihrer dicken Schale einiges an Feuchtigkeit und Druck durch Schädlinge. Das macht Sousão zu einer verlässlichen Rebe, auch in einem Klima, das anderen Sorten zu nass ist.
Warum Sousão im Douro landete
Für Portwein war Sousão nie eine Hauptsorte, aber eine wichtige Randfigur. Viele klassische Port-Trauben liefern für sich genommen nicht genug Farbe. Sousão gleicht das aus. Schon ein kleiner Anteil im Verschnitt vertieft die Farbe eines ganzen Fasses spürbar. Diese Eigenschaft war es, die sie um 1790 aus dem Minho in den Douro brachte, wo sie bis heute in vielen traditionellen Weinbergen mit gemischtem Rebsatz steht.
Sousão in der Algarve
In der Algarve ist Sousão eine Randnotiz, aber eine belegte. Bei Monte da Casteleja in Lagos steht sie neben Bastardo, Alfrocheiro, Perrum und Arinto im Weinberg. Aus beiden gemeinsam, mit einem deutlich höheren Anteil Bastardo, entsteht der Palhete des Weinguts, ein leichter, heller Rotwein mit kurzer Maischestandzeit. Sousão bringt dabei genau das ein, was ihr Ruf verspricht: Farbe und Frische, in einem Wein, der sonst vor allem von Bastardo geprägt ist.
Sousão als Speisenbegleiter
Sousão ist kein leiser Wein. Die Säure und die kräftige Struktur brauchen Gerichte, die etwas aushalten. Schmorgerichte vom Rind oder Lamm passen gut, ebenso Wild oder eine würzige Wurst. Auch gereifter Käse hält mit. Als Solowein ist Sousão selten zu finden. Meistens zeigt sie ihre Stärke im Verschnitt, dort, wo sie Farbe, Säure und Struktur beisteuert, ohne selbst im Vordergrund zu stehen.
Der Wert einer Rebsorte im Hintergrund
Sousão landet selten allein im Glas. Trotzdem wäre der portugiesische Rotwein ohne sie ärmer. Roter Vinho Verde verdankt ihr seine Farbe und seine Säure. Portwein aus dem Douro verdankt ihr manchen tiefen Farbton. Und in der Algarve zeigt sie, dass auch eine kleine Rebfläche ihre Wirkung entfalten kann, solange jemand bereit ist, sie zu pflanzen. Nicht jede Rebsorte muss im Rampenlicht stehen, um wichtig zu sein.
Häufige Fragen zu Sousão
Ist Sousão dasselbe wie Vinhão? Lange galten beide als identisch. Neuere genetische Untersuchungen stufen sie als eng verwandt, aber eigenständig ein, weshalb Portugal die Sorte offiziell unter dem Namen Sezão führt. Auf Etiketten werden Sousão und Vinhão trotzdem meist synonym verwendet.
Ist Sousão dasselbe wie Sousón aus Galicien? Ja. Sousón ist einfach der spanische Name für dieselbe Rebe, vor allem in der Herkunftsbezeichnung Monterrei gebräuchlich.
Warum hat Sousão rotes Fruchtfleisch? Sousão gehört zu einer seltenen Gruppe von Rebsorten, bei denen das Pigment nicht nur in der Schale, sondern auch im Fruchtfleisch sitzt. Das macht sie besonders farbstark und deshalb wertvoll für Verschnitte.
Kann man Sousão pur trinken? Selten, aber es gibt sie. Einige Weingüter im Vinho Verde bauen sie sortenrein aus. Meistens taucht Sousão jedoch als Verschnittpartnerin auf, in rotem Vinho Verde ebenso wie in Portwein.
Wächst Sousão auch außerhalb Portugals? Ja, wenn auch nur auf kleinen Flächen. In Galicien heißt sie Sousón, dazu kommen kleinere Anpflanzungen in Australien, Kalifornien und Südafrika. Der weitaus größte Teil wächst aber weiterhin in Portugal.
Passt Sousão eher zu Fisch oder zu Fleisch? Zu Fleisch. Die kräftige Säure und die feste Struktur passen zu Schmorgerichten, Wild oder würziger Wurst deutlich besser als zu leichtem Fisch.
Dieser Artikel ist Teil unserer Rebsorten-Serie bei Biowein Iberia. Wir stellen iberische Rebsorten vor, die es verdienen, besser bekannt zu sein.
Genieße verantwortungsvoll! 18+
Autor: Mike Mehlau, https://www.linkedin.com/in/mikemehlau-biowein/

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