Biowein aus Portugal & Spanien: Ist Bio das neue Normal?

Aktualisiert: vor 5 Tagen
Bio ist bei vielen Lebensmitteln längst Alltag. Eier, Milch, Gemüse, Mehl oder Kaffee gibt es selbstverständlich auch in Bio. Aber nicht alles ist bio und Bio ist auch nicht die Mehrheit. Es gehört zum Angebot und damit zur täglichen Kaufentscheidung.
2025 wurden in Deutschland mit Bio-Lebensmitteln und Bio-Getränken 18,23 Milliarden Euro umgesetzt, bei einzelnen Warengruppen liegt der Bio-Anteil inzwischen im zweistelligen Bereich.
Beim Wein sind wir noch nicht ganz an demselben Punkt. Das Bio-Label bleibt eine wichtige Information beim Weinkauf. Nur eben nicht die einzige.
Was das Bio-Label aussagt
Eine Bio-Zertifizierung gibt Orientierung. Das EU-Bio-Logo zeigt, dass ein Wein nach festgelegten Regeln produziert und kontrolliert wurde. Als Kundin oder Kunde muss ich also nicht selbst herausfinden, welche Vorgaben ein Betrieb erfüllt. Ein Teil dieser Einordnung steckt bereits in der Zertifizierung.
Beim Wein betrifft das den Weinberg und den Keller. Dünge- und Pflanzenschutzmittel sind geregelt, ebenso bestimmte Verfahren und Stoffe bei der Weinbereitung. Auch der Einsatz von Schwefeldioxid beziehungsweise Sulfiten ist bei Bio-Wein erlaubt.
Bei Rotwein mit weniger als zwei Gramm Restzucker pro Liter liegt die Obergrenze bei 100 Milligramm Gesamtschwefeldioxid pro Liter, bei Weiß- und Roséwein unter denselben Voraussetzungen bei 150 Milligramm. Für andere Kategorien gelten eigene Grenzwerte.
Bio bedeutet deshalb nicht automatisch „ohne zugesetzte Sulfite“. Ein Bio-Wein kann mit zugesetztem Schwefeldioxid hergestellt werden, solange die entsprechenden Grenzwerte eingehalten werden. Andersherum macht der Verzicht auf zugesetzte Sulfite einen Wein nicht automatisch bio. Sulfite können außerdem auch während der Gärung entstehen.
Damit sagt das Bio-Label etwas aus. Für jemanden, dem die Produktionsweise wichtig ist, gibt es eine klare Richtung vor.
Was das Label nicht aussagt
Ob einem der Wein schmeckt, sagt das Bio-Logo nicht. Ob ein Betrieb klein oder groß ist, welche Rebsorten dort wachsen, wie ein Winzer seinen eigenen Stil versteht, dazu auch nichts.
Umgekehrt gilt das Gleiche. Ein fehlendes Bio-Logo sagt nicht automatisch, wie ein Betrieb arbeitet. Ein Weingut ohne Zertifizierung kann klein und handwerklich sein, bestimmte Mittel meiden, von Hand lesen oder im Keller zurückhaltend arbeiten. Zum Bio-Wein wird der Wein dadurch trotzdem nicht. Ohne Zertifizierung kein Bio-Wein.
Interessant bleibt die Arbeitsweise trotzdem. Darüber sollte man auch konsequent sprechen.
Bio, vegan, nachhaltig und handwerklich sind verschiedene Dinge
Beim Wein werden diese Begriffe schnell vermischt.
Bio ist geregelt und kontrolliert. Nachhaltigkeit geht weiter. Wasserverbrauch, Energie, Verpackung, Transport, Biodiversität oder soziale Fragen können dazugehören.
Handwerk beschreibt wieder etwas anderes: die Größe des Betriebs, die Arbeit im Weinberg, die Art der Lese oder die Entscheidungen im Keller.
Und vegan ist nochmal eine andere Information.
Bei der Klärung von Wein können tierische Hilfsstoffe wie Gelatine, Kasein oder Eiweiß verwendet werden. Solche Stoffe sind auch bei der Herstellung von Bio-Wein grundsätzlich zugelassen. Bio bedeutet deshalb nicht automatisch vegan.
Bei vegan hergestelltem Wein wird auf tierische Hilfsstoffe verzichtet. Ein veganer Wein ist damit aber nicht automatisch bio.
Auch bei der Kennzeichnung gibt es einen Unterschied. Bio ist in der EU gesetzlich geregelt und kontrolliert. Für „vegan“ gibt es bislang keine vergleichbare EU-weit verbindliche Definition oder ein einheitliches staatliches Label. Entsprechende Kennzeichnungen und Zertifizierungen sind freiwillig.
Das zeigt ganz gut, warum man die Begriffe nicht in einen Topf werfen sollte.
Bio sagt etwas über die ökologische Produktionsweise.
Vegan sagt etwas über tierische Bestandteile und Hilfsstoffe bei der Herstellung.
„Ohne zugesetzte Sulfite“ beschreibt eine konkrete Entscheidung bei der Weinbereitung.
Handwerk und Nachhaltigkeit wieder etwas anderes.
Ein Familienweingut ist deshalb nicht automatisch bio. Eine alte Rebsorte auch nicht. Ein Wein aus einem alten Weinberg ebenfalls nicht. Ein veganer Wein ist nicht automatisch nachhaltig. Und eine Bio-Zertifizierung macht aus einem Wein andersherum nicht automatisch einen handwerklichen Kleinbetrieb.
Für die Einordnung hilft eine einfache Reihenfolge: Das Label gibt die erste Orientierung, danach kann man weitersehen. Woher kommt der Wein? Wer macht ihn? Wie wird gearbeitet? Welche Rebsorten stehen dort? Was lässt sich über den Betrieb belegen?
Portugal, Spanien und ökologischer Weinbau
Spanien spielt beim ökologischen Weinbau eine große Rolle, das Land gehört bei ökologisch bewirtschafteten Rebflächen weltweit zur Spitze. Das Klima kann in einigen Regionen helfen, weniger Feuchtigkeit reduziert den Druck bestimmter Pilzkrankheiten. Dafür kommen andere Themen dazu: Hitze, Trockenheit, Wasserverfügbarkeit.
Portugal ist kleinteiliger. Algarve, Alentejo, Dão, Douro, Bairrada oder Vinho Verde unterscheiden sich bei Klima, Böden und Rebsorten. Dazu kommen viele autochthone Sorten und kleine Familienbetriebe.
Auch hier gilt dieselbe Trennung. Ein kleiner Betrieb ist nicht automatisch bio, eine regionale Rebsorte ist nicht bio, ein traditioneller Anbau ist nicht automatisch zertifiziert.
Ist ein Betrieb biozertifiziert, gibt das Label Orientierung. Ist er es nicht, muss man sich die Arbeitsweise separat anschauen.
Das Gleiche gilt für vegan. Ob bei der Weinbereitung tierische Hilfsstoffe eingesetzt wurden, ist eine andere Frage als die ökologische Bewirtschaftung des Weinbergs.
Ist Bio-Wein besser?
Nicht automatisch. Die Zertifizierung beschreibt die Produktionsweise, Geschmack und Qualität hängen von anderen Dingen ab: Rebsorte, Standort, Jahrgang, Traubenqualität, Arbeit im Weinberg, Entscheidungen im Keller.
Ein guter Wein kann biozertifiziert sein. Ein guter Wein kann auch ohne Bio-Zertifizierung entstehen.
Das Label wird dadurch nicht weniger wert, es beantwortet nur eine andere Frage als der Geschmack. Es sagt, ob ein Wein nach einem definierten ökologischen Standard produziert wurde. Für jemanden, dem das wichtig ist, ist das eine wichtige Information.
Dasselbe gilt für andere Angaben. Vegan sagt etwas anderes aus als Bio. „Ohne zugesetzte Sulfite“ wieder etwas anderes. Je genauer die Begriffe verwendet werden, desto besser lässt sich ein Wein einordnen.
Ist Bio also das neue Normal?
Im Lebensmittelmarkt insgesamt ist Bio längst angekommen. Eier, Milch, Gemüse, Mehl oder Kaffee gibt es selbstverständlich auch in Bio.
Beim Wein ist diese Entwicklung noch nicht ganz so weit, die Wahrnehmung verändert sich aber.
Es steht weniger nur noch die Frage im Raum: Ist das Bio? Es kommt eine zweite dazu: Wie wurde das gemacht?
Das Bio-Label bleibt dafür eine klare Orientierung. Es zeigt, dass ein definierter Teil der Produktionsweise nach festen Regeln kontrolliert wurde.
Danach kann man weitersehen: Wie arbeitet der Betrieb? Woher kommen die Trauben? Welche Rebsorten wachsen dort? Ist der Wein vegan? Wurden Sulfite zugesetzt?
Jede dieser Informationen sagt etwas anderes.
Fehlt das Bio-Label, beginnen diese Fragen einfach früher.
Bio muss dafür nicht irgendwann auf jeder Flasche stehen. Normaler wird vielmehr, dass wir wissen wollen, wie etwas hergestellt wurde.
Bei anderen Lebensmitteln ist diese Frage längst Teil der Kaufentscheidung.
Beim Wein kommt sie gerade stärker an.
Häufige Fragen zu Biowein
Was sagt das Bio-Label bei Wein aus?Es zeigt, dass der Wein nach den geltenden Regeln für ökologische Produktion hergestellt und kontrolliert wurde, im Weinberg und im Keller.
Ist Bio-Wein automatisch besser?Nein. Das Label beschreibt die Produktionsweise, Geschmack und Qualität hängen von der Rebsorte, dem Standort, dem Jahrgang und der Arbeit im Weinberg und Keller ab.
Ist Bio-Wein automatisch vegan?Nein. Bio und vegan beschreiben unterschiedliche Dinge. Auch bei Bio-Wein können tierische Hilfsstoffe bei der Weinbereitung eingesetzt werden.
Kann ein veganer Wein auch ohne Bio-Zertifizierung hergestellt werden?Ja. Vegan sagt etwas darüber aus, ob bei der Herstellung tierische Bestandteile oder Hilfsstoffe eingesetzt wurden. Es sagt nichts darüber aus, ob die Trauben ökologisch angebaut wurden.
Bedeutet Bio-Wein automatisch ohne zugesetzte Sulfite?Nein. Auch Bio-Wein darf Schwefeldioxid innerhalb festgelegter Grenzwerte zugesetzt werden. Ein Wein ohne zugesetzte Sulfite ist andersherum nicht automatisch bio.
Ist ein Wein ohne Bio-Siegel automatisch weniger nachhaltig?Nein. Ohne Zertifizierung ist er kein Bio-Wein, wie ein Betrieb tatsächlich arbeitet, muss man davon getrennt betrachten.
Warum ist das Bio-Label trotzdem wichtig?Es gibt eine klare Orientierung. Ein definierter Teil der Produktionsweise wurde nach festen Regeln kontrolliert, das muss man sich nicht selbst zusammensuchen.
Sind Bio, vegan, nachhaltig und handwerklich dasselbe?Nein. Bio ist ein kontrollierter Standard, vegan betrifft tierische Bestandteile und Hilfsstoffe bei der Herstellung, Nachhaltigkeit umfasst weitere Bereiche wie Wasser, Energie oder Transport, Handwerk beschreibt die Arbeitsweise eines Betriebs.
Sind alle Weine bei Biowein Iberia biozertifiziert?Nein. Wir führen zertifizierte Bio-Weine und Weine ohne Bio-Zertifizierung. Bei zertifizierten Weinen sagen wir das auch so, bei den anderen sprechen wir über Herkunft und die Arbeitsweise des Weinguts, das wir persönlich kennen.
Dieser Artikel gehört zu unserer Weinwissen-Serie bei Biowein Iberia. Hier sammeln wir, was vor dem Öffnen der Flasche gut zu wissen ist. Klar und nützlich.
Genieße verantwortungsvoll. 18+
Autor: Mike Mehlau, https://www.linkedin.com/in/mikemehlau-biowein

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