Graciano. Aus dem Norden Spaniens. Mit Spuren bis Andalusien.

Graciano ist eine rote Rebsorte aus Nordspanien. Ihr bekanntestes Anbaugebiet ist Rioja, wo sie traditionell zusammen mit Tempranillo verwendet wird. Ihre wichtigsten Eigenschaften sind eine ausgeprägte Säure, kräftige Farbe und gute Voraussetzungen für die Reifung im Fass und in der Flasche.
Doch Graciano hat auch eine Geschichte im Süden Spaniens. In Andalusien kennt man sie als Tintilla de Rota, in Portugal als Tinta Miúda und auf Sardinien als Cagnulari. Hinter diesen Namen verbergen sich teilweise regionale Unterschiede, die inzwischen auch genetisch untersucht wurden.
Bei Biowein Iberia begegnet uns Graciano in zwei Rotweinen der Bodega Marcelino Serrano aus der Sierra Sur de Jaén. Einmal reinsortig und ohne Holzfass, einmal zusammen mit Merlot und Pinot Noir als Reserva.
Woher stammt die Rebsorte Graciano?
Graciano stammt aus Spanien. Ihr genauer Entstehungsort ist allerdings nicht abschließend geklärt.
Der Consejo Regulador der DOCa Rioja bezeichnet Graciano als autochthone Rebsorte der Rioja. Andere Fachquellen, darunter die Guía Peñín, nennen Navarra als wahrscheinlichen Ursprung. Beide Regionen liegen im Norden Spaniens und gehören seit Jahrhunderten zu den traditionellen Anbaugebieten der Sorte.
Welche Rebsorten ihre Eltern sind, ist bis heute nicht bekannt. Die DNA-Forschung konnte allerdings nachweisen, dass Graciano selbst ein Elternteil einer anderen iberischen Rebsorte ist: Gemeinsam mit der weißen Hebén entstand die rote Mandón, auch Garró genannt.
Im 19. Jahrhundert war Graciano in Spanien weiter verbreitet. Die Reblauskrise zerstörte zahlreiche Weinberge. Beim anschließenden Wiederaufbau entschieden sich viele Winzer für ertragreichere Rebsorten.
Graciano besitzt eine vergleichsweise geringe Fruchtbarkeit und reift spät. Für Betriebe, bei denen hohe Erträge im Vordergrund standen, war sie deshalb weniger interessant.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts blieb die Sorte vor allem in Rioja erhalten. Dort wurde sie traditionell in kleinen Anteilen für Cuvées verwendet. Erst später begannen einige Weingüter, Graciano wieder eigenständig auszubauen. Nach Angaben der Guía Peñín brachte Viña Ijalba 1995 einen der ersten reinsortigen Graciano-Weine der Rioja auf den Markt.
Wie viel Graciano wächst heute in Rioja?
Der Jahresbericht der DOCa Rioja für 2024 nennt insgesamt 1.518 Hektar Graciano.
Davon entfielen rund 952 Hektar auf La Rioja, 362 Hektar auf den navarresischen Teil und 205 Hektar auf Álava. Zusammen entsprach das 2,28 Prozent der gesamten registrierten Rebfläche der DOCa Rioja.
Zum Vergleich: Tempranillo belegte im selben Jahr gut 53.000 Hektar.
Außerhalb der Rioja wird Graciano unter anderem in Navarra, Andalusien und weiteren spanischen Anbaugebieten kultiviert. Auch in Portugal, Frankreich und auf Sardinien gibt es entsprechende Bestände. Kleinere Pflanzungen finden sich inzwischen in Australien, Argentinien und den USA.
Die internationale Verbreitung ist damit größer, als die vergleichsweise geringe Anbaufläche vermuten lässt.
Graciano, Tintilla de Rota und Tinta Miúda. Viele Namen, eine Rebsortenfamilie
Bei alten Rebsorten sind unterschiedliche Namen keine Seltenheit. Über Jahrhunderte wurden Reben zwischen Regionen weitergegeben, ohne dass ihre genetische Identität bekannt war.
Bei Graciano ist die Liste der überlieferten Bezeichnungen besonders lang.
In Portugal heißt sie Tinta Miúda. Der Name bedeutet sinngemäß „kleine Rote“. Eine weitere historische Bezeichnung ist Tinta do Padre António. Sie soll auf einen Geistlichen zurückgehen, der die Sorte im 19. Jahrhundert bei Sobral de Monte Agraço kultivierte.
In Frankreich ist Graciano unter dem Namen Morrastel bekannt, auf Korsika als Minustellu. Auf Sardinien wird sie Cagnulari genannt. Auch der Name Bovale Sardo wird in der Fachliteratur mit ihr in Verbindung gebracht, wobei die historischen Bezeichnungen und genetischen Zuordnungen nicht immer eindeutig sind.
Zwei ähnlich klingende Namen führen leicht zu Verwechslungen. Monastrell ist eine eigenständige spanische Rebsorte. Auch Moristel aus Aragón ist von Graciano zu unterscheiden.
Ist Tintilla de Rota wirklich dieselbe Rebsorte wie Graciano?
Die Verbindung zwischen Graciano und Tintilla de Rota ist besonders interessant.
Das spanische Landwirtschaftsministerium führt Tintilla de Rota seit 2025 offiziell als Synonym von Graciano. Auch Tinta Miúda und Morrastel sind im spanischen Sortenregister als Synonyme eingetragen.
Genetische Untersuchungen bestätigen eine sehr enge Verwandtschaft zwischen Graciano und Tintilla de Rota. Allerdings gibt es Unterschiede, die sich im Weinberg und später im Wein zeigen.
Eine im Februar 2026 veröffentlichte Untersuchung des andalusischen Forschungsinstituts IFAPA hat diese Unterschiede genauer beschrieben. Dafür wurden Reben von Graciano und Tintilla de Rota untersucht, die unter vergleichbaren Bedingungen im Forschungszentrum Rancho de la Merced bei Jerez de la Frontera wuchsen.
Die genetische Analyse ergab bei zwölf von dreizehn untersuchten DNA-Markern identische Ergebnisse. Lediglich an einer Stelle fanden die Forschenden eine Abweichung. Das spricht für eine besonders enge genetische Verwandtschaft, möglicherweise durch eine klonale Entwicklung.
Bei den Eigenschaften der Reben zeigten sich dennoch Unterschiede.
Im untersuchten Pflanzenmaterial besaß Graciano kompaktere Trauben und brachte höhere Erträge. Tintilla de Rota bildete lockerere Trauben und weniger Beeren. Die daraus erzeugten Weine unterschieden sich ebenfalls in Farbe, Konzentration und sensorischen Eigenschaften.
Die Forschenden betonen deshalb, dass die genetische Nähe allein nicht sämtliche Unterschiede zwischen den regionalen Ausprägungen erklärt.
Die Ergebnisse betreffen das untersuchte Pflanzenmaterial und lassen sich nicht uneingeschränkt auf sämtliche Graciano- und Tintilla-Weinberge übertragen.
Die vollständige Untersuchung findest du beim andalusischen Forschungsinstitut IFAPA.
Welche Eigenschaften hat Graciano?
Graciano gehört zu den spät reifenden roten Rebsorten. Sie stellt gewisse Ansprüche an den Standort und erzielt häufig geringere Erträge als andere verbreitete spanische Rotweinsorten.
Ihre Beeren sind relativ klein und besitzen eine dunkelblauviolette Schale. Im Fruchtfleisch befinden sich keine nennenswerten roten Farbstoffe. Die Farbe gelangt während der Weinbereitung vor allem aus den Schalen in den Most.
Je nach Anbaugebiet, Reife und Verarbeitung entstehen daraus kräftig gefärbte Rotweine, häufig mit violetten Reflexen.
Dazu kommen Gerbstoffe, sogenannte Tannine. Sie können im Mund ein trockenes, leicht zusammenziehendes Gefühl hervorrufen und beeinflussen die Struktur des Weins.
Besonders typisch für Graciano ist ihre Säure.
Warum ist die Säure bei Graciano so ausgeprägt?
Der Consejo Regulador der DOCa Rioja beschreibt Graciano als eine der säurereichsten zugelassenen roten Rebsorten der Region.
Die Sorte besitzt häufig eine höhere Gesamtsäure und einen niedrigeren pH-Wert als Tempranillo. Beide Eigenschaften hängen miteinander zusammen, beschreiben aber unterschiedliche Aspekte der chemischen Zusammensetzung eines Weins.
Die Gesamtsäure gibt Auskunft über die Menge bestimmter Säuren. Der pH-Wert beschreibt, vereinfacht gesagt, deren chemische Wirkung im Wein. Wie sauer ein Wein tatsächlich schmeckt, hängt von mehreren Faktoren ab.
Für die Weinbereitung sind beide Werte relevant. Eine ausreichende Säure kann die Frische eines Weins unterstützen und trägt unter geeigneten Bedingungen zu seiner mikrobiologischen Stabilität bei.
Bei Graciano ist das besonders interessant, weil die Sorte oft in warmen Weinbaugebieten angebaut wird.
Wie schmeckt ein Wein aus Graciano?
Junge Graciano-Weine können nach roten und schwarzen Früchten riechen. Häufig werden schwarze Johannisbeeren, dunkle Kirschen oder florale Noten beschrieben.
Der Geschmack ist oft von lebendiger Säure und deutlichen Gerbstoffen geprägt. Je nach Reife der Trauben und Art der Weinbereitung kann ein junger Graciano deshalb recht kräftig und straff wirken.
Mit zunehmender Lagerung verändern sich die Aromen. Besonders bei Weinen mit Holzfassausbau können Noten von Lakritz, Leder, Gewürzen oder balsamische Eindrücke hinzukommen.
Wie gut ein Graciano altert, hängt allerdings vom konkreten Wein ab. Ein jung abgefüllter Graciano ohne Holzfassausbau ist nicht automatisch für eine jahrelange Lagerung vorgesehen.
Warum wird Graciano häufig mit Tempranillo verschnitten?
In Rioja wird Graciano traditionell als Verschnittpartner eingesetzt. Besonders häufig begegnet sie dort zusammen mit Tempranillo.
Eine solche Mischung verschiedener Rebsorten wird als Cuvée bezeichnet. Dabei werden Weine kombiniert, deren Eigenschaften sich ergänzen sollen.
Tempranillo bildet in vielen Rioja-Rotweinen den Hauptanteil. Die Sorte bringt häufig reife Frucht und eine kräftige Struktur mit. Graciano kann durch ihre Säure und ihren Gehalt an Farbstoffen und Gerbstoffen das Gesamtbild verändern.
Gerade bei Weinen, die längere Zeit im Fass oder in der Flasche reifen sollen, wird Graciano deshalb gerne eingesetzt.
Zu den klassischen roten Rebsorten der Rioja gehören neben Tempranillo und Graciano auch Garnacha und Mazuelo, andernorts auch Cariñena genannt.
Die Zusammensetzung einer Cuvée ist allerdings keine feste Formel. Manche Winzer verwenden nur geringe Mengen Graciano, andere bauen sie in höheren Anteilen oder vollständig reinsortig aus.
In Portugal wird Tinta Miúda ebenfalls für Rotwein-Cuvées genutzt, beispielsweise zusammen mit Aragonez, dem portugiesischen Namen für Tempranillo, oder mit Castelão.
Graciano in Andalusien. Von Cádiz bis in die Sierra Sur de Jaén
Wer Graciano mit Spanien verbindet, denkt meistens an Rioja. Tatsächlich besitzt die Sorte auch im Süden des Landes eine längere Geschichte.
Besonders deutlich wird das an der Tintilla de Rota.
Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts beschrieb der spanische Botaniker Simón de Rojas Clemente entsprechende Reben in Andalusien. Ein Bestandsverzeichnis des Sherry-Hauses González Byass aus dem Jahr 1845 führt süße Weine aus Tintilla de Rota auf.
Die Sorte wurde rund um Rota in der Provinz Cádiz kultiviert. Wegen ihrer geringen Erträge verlor sie später an wirtschaftlicher Bedeutung. Auch die zunehmende Bebauung an der Küste trug zum Rückgang alter Weinbergsflächen bei.
Inzwischen beschäftigen sich wieder mehrere andalusische Weingüter mit Tintilla de Rota. Daraus entstehen trockene Rotweine, Roséweine und traditionelle Süßweine.
Die Anbaufläche bleibt allerdings gering. Für 2019 wurden in Andalusien rund 17 Hektar Tintilla de Rota ausgewiesen.
Graciano im Hochland der Sierra Sur de Jaén
Etwas weiter östlich, in der Provinz Jaén, findet man eine andere Geschichte.
Die Sierra Sur de Jaén liegt im südlichen Teil der Provinz, rund um Alcalá la Real. Wein aus diesem Gebiet kann unter der geschützten geografischen Angabe IGP Sierra Sur de Jaén vermarktet werden.
Die Region ist bergig. Viele Rebflächen liegen deutlich höher als in den bekannten Küstenregionen Andalusiens.
Durch die Höhenlage können sich die Temperaturverhältnisse im Tagesverlauf deutlich unterscheiden. Besonders kühlere Nächte können dabei helfen, den Säureabbau während der Traubenreife zu begrenzen.
Für eine spät reifende Rebsorte wie Graciano kann das interessant sein. Entscheidend bleiben allerdings der konkrete Weinberg, die Witterung im jeweiligen Jahr und der Zeitpunkt der Lese.
Graciano gehört in der Sierra Sur de Jaén nicht zu den historisch prägenden Rebsorten. Sie wird dort gezielt von einzelnen Weingütern angebaut.
Eines davon ist die Bodega Marcelino Serrano.
Bodega Marcelino Serrano. Graciano aus Alcalá la Real
Marcelino Serrano wurde 1947 in Alcalá la Real geboren. Mit Wein hatte er schon als Kind zu tun. Gemeinsam mit seinem Vater bewachte er die Trauben der Familie und benachbarter Weinbauern.
Später arbeitete er über 30 Jahre als Elektriker und unterrichtete Elektrotechnik. Die Beschäftigung mit dem Weinbau blieb zunächst ein Hobby.
Nach seiner beruflichen Laufbahn widmete er sich intensiver dem Wein. Er besuchte Weinbau- und Önologiekurse, unter anderem in Cabra, Jerez und Rioja.
2002 begann die Bodega Marcelino Serrano offiziell mit der gewerblichen Weinproduktion.
Heute führt seine Tochter Blanca María Serrano die önologische Arbeit. Sie hat Agrartechnik und Önologie studiert und ist im Familienbetrieb für die Weinbereitung verantwortlich.
Die Bodega befindet sich im Paraje El Cascante, ungefähr zwei Kilometer außerhalb von Alcalá la Real.
Ein Teil der Weinberge liegt bei Mures auf rund 1.000 Metern Höhe. Die Böden sind dort lehmig und kalkhaltig. Auf der Finca Las Casas de Joya bewirtschaftet die Familie Weinberge nach ökologischen Richtlinien.
Graciano gehört zu den Rebsorten, die Marcelino und Blanca María Serrano für ihre Weine ausgewählt haben.
Bio Rotwein Joven 2023. Graciano ohne Holzfass
Der Bio Rotwein Joven 2023 wird vollständig aus Graciano hergestellt.
Die Trauben stammen aus dem ökologisch bewirtschafteten Weinberg Las Casas de Joya bei Mures. Nach der Gärung wird der Wein im Edelstahltank ausgebaut und anschließend abgefüllt.
Ein Holzfass kommt hier nicht zum Einsatz.
Das Weingut nennt ihn auch „60 años menos“, also 60 Jahre weniger. Der Name erinnert an Marcelino Serranos Jugend.
Im Glas zeigt der Joven eine lebhafte rote Farbe mit violetten Reflexen. Dazu kommen Aromen roter Früchte, leichte Konfitürenoten und eine frische Säure.
Er besitzt 13 Prozent Alkohol und ist als junger Rotwein für einen vergleichsweise frühen Genuss gedacht.
Gerade ohne Holzfass lässt sich nachvollziehen, welche Frucht- und Säureeigenschaften Graciano in diesem Wein mitbringt.
Bio Rotwein Reserva 2021. Graciano mit Merlot und Pinot Noir
Beim Bio Rotwein Reserva 2021, Etiqueta Negra geht die Bodega einen anderen Weg.
Hier wird Graciano mit Merlot und Pinot Noir kombiniert. Die Trauben stammen ebenfalls aus dem eigenen ökologisch bewirtschafteten Weinberg Las Casas de Joya.
Laut den Produktangaben des Weinguts reift die Reserva zwölf Monate in neuen Barriques aus französischer Eiche.
Die Kombination ergibt einen kräftigeren, dunkleren Wein. Die Bodega beschreibt Aromen schwarzer Früchte, geröstete Noten, Kaffee und balsamische Anklänge. Im Abgang werden Kakao, Menthol und Holznoten genannt.
Der Wein besitzt 14 Prozent Alkohol.
Graciano wird hier als Bestandteil einer Cuvée verwendet, in der verschiedene Rebsorten und der Holzfassausbau den Charakter des Weins gemeinsam prägen.
Beide Rotweine von Marcelino Serrano sind bio-zertifiziert. Die zuständige Kontrollstelle trägt die Kennzeichnung ES-ECO-003-AN.
Welches Essen passt zu Graciano?
Durch ihre ausgeprägte Säure und ihre Gerbstoffe passen viele Graciano-Rotweine gut zu herzhaften Speisen. Wie kräftig das Essen ausfallen darf, hängt vom Ausbau des jeweiligen Weins ab.
Zum reinsortigen Joven von Marcelino Serrano empfehle ich beispielsweise Champignons mit Knoblauch aus der Pfanne und geröstetes Brot. Auch gegrillte Paprika oder Hähnchen aus dem Ofen passen zu seiner fruchtigen Art.
Den Joven kannst du bei etwa 16 Grad servieren. Gerade an wärmeren Tagen darf die Flasche ruhig etwas kühler sein als die Raumtemperatur.
Die Reserva verträgt kräftigere Gerichte. Das Weingut empfiehlt dazu Rindersteak und andere Fleischgerichte. Auch langsam geschmortes Rindfleisch mit Kräutern wäre eine passende Wahl.
Für beide Weine gilt: Die Serviertemperatur beeinflusst, wie Frucht, Säure und Gerbstoffe wahrgenommen werden. Sehr warme Rotweine können stärker alkoholisch wirken, während eine zu niedrige Temperatur ihre Aromen zurückhalten kann.
Häufige Fragen zur Rebsorte Graciano
Ist Graciano eine autochthone Rebsorte?
Graciano gilt als autochthone spanische Rebsorte. Der Consejo Regulador der DOCa Rioja bezeichnet sie als autochthon in Rioja. Andere Fachquellen vermuten ihre Herkunft in Navarra. Der genaue Entstehungsort und ihre Elternsorten sind bislang nicht abschließend geklärt.
Ist Tintilla de Rota dasselbe wie Graciano?
Das spanische Landwirtschaftsministerium führt Tintilla de Rota offiziell als Synonym von Graciano. Genetische Untersuchungen zeigen eine nahezu vollständige Übereinstimmung. Eine IFAPA-Studie von 2026 dokumentiert zugleich Unterschiede im Wuchs, Ertrag und bei den daraus erzeugten Weinen.
Welche anderen Namen hat Graciano?
In Portugal heißt die Sorte Tinta Miúda, in Frankreich Morrastel und auf Sardinien Cagnulari. Auf Korsika ist sie als Minustellu bekannt. Die historischen Bezeichnungen auf Sardinien, darunter Bovale Sardo, sind teilweise mit unterschiedlichen genetischen Zuordnungen verbunden.
Wo wird Graciano angebaut?
Ihr wichtigstes Anbaugebiet ist Rioja in Nordspanien. Dort standen 2024 rund 1.518 Hektar. Weitere Anbaugebiete liegen unter anderem in Navarra, Andalusien, Portugal, Frankreich und auf Sardinien. Kleinere Bestände gibt es in Übersee.
Wie schmeckt ein Graciano-Rotwein?
Typisch sind eine ausgeprägte Säure, kräftige Farbe und deutliche Gerbstoffe. Junge Weine zeigen häufig rote und schwarze Früchte sowie florale Noten. Bei gereiften Weinen können Aromen von Lakritz, Leder oder balsamische Noten hinzukommen.
Warum wird Graciano mit Tempranillo verschnitten?
Graciano besitzt häufig mehr Säure als Tempranillo und kann in einer Cuvée Farbe, Struktur und Frische ergänzen. Besonders bei Rioja-Weinen, die für eine längere Reifung vorgesehen sind, wird die Sorte deshalb traditionell eingesetzt.
Ist Graciano typisch für Andalusien?
Als Tintilla de Rota besitzt sie in der Provinz Cádiz eine lange regionale Geschichte. In anderen andalusischen Weinbaugebieten ist Graciano deutlich seltener. In der Sierra Sur de Jaén wird sie unter anderem von der Bodega Marcelino Serrano angebaut.
Welche Weine von Biowein Iberia enthalten Graciano?
Der Bio Rotwein Joven 2023 von Marcelino Serrano besteht zu 100 Prozent aus Graciano und wird ohne Holzfass ausgebaut. Der Bio Rotwein Reserva 2021 kombiniert Graciano mit Merlot und Pinot Noir und reift laut Weingut zwölf Monate in neuen französischen Barriques.
Dieser Artikel ist Teil unserer Rebsorten-Serie bei Biowein Iberia. Wir stellen iberische Rebsorten vor, die es verdienen, besser bekannt zu sein.
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Autor: Mike Mehlau, https://www.linkedin.com/in/mikemehlau-biowein

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