Castelão: eine autochthone Rotweintraube Portugals

Castelão ist eine autochthone rote Rebsorte aus Portugal. Sie ist seit mindestens 1531 dokumentiert und wächst heute vor allem im Zentrum und Süden des Landes. Besonders eng verbunden ist sie mit der Halbinsel Setúbal und der Region um Palmela. Typisch sind kräftige Tannine, eine ausgeprägte Säure und gutes Alterungspotenzial. Heute stehen in Portugal rund 9.952 Hektar Castelão. Damit macht die Sorte etwa fünf Prozent der portugiesischen Rebfläche aus und liegt landesweit an fünfter Stelle.
Herkunft und Verbreitung
Ruy Fernandes erwähnte Castelão 1531 als Rebsorte, die in der Region um Lamego angebaut wurde. Damit reicht ihre dokumentierte Geschichte in Portugal fast 500 Jahre zurück.
Heute lässt sich auch die Abstammung genauer bestimmen. Castelão ist eine natürliche Kreuzung aus Cayetana Blanca und Alfrocheiro Preto. Cayetana Blanca ist eine spanische weiße Rebsorte, die vor allem in Extremadura verbreitet ist. Alfrocheiro Preto ist eine rote portugiesische Rebsorte.
Wo genau diese natürliche Kreuzung innerhalb Portugals entstand, lässt sich nicht sicher bestimmen. Der erste schriftliche Nachweis stammt aus Lamego. Ihre stärkste heutige Verbindung hat die Sorte dagegen mit dem Zentrum und Süden des Landes.
Besonders verbreitet ist Castelão in Lisboa, im Tejo, auf der Halbinsel Setúbal und im Alentejo. Rund um Palmela und Poceirão findet sie auf warmen, trockenen Sandböden Bedingungen, unter denen besonders strukturierte und langlebige Weine entstehen können.
Namensbesonderheit: Periquita und Trincadeira
Der bekannteste zweite Name für Castelão ist Periquita. Dazu kommen Synonyme wie João de Santarém und Castelão Francês.
Die Geschichte von Periquita ist eng mit José Maria da Fonseca verbunden. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Castelão auf dem Grundstück Cova da Periquita auf der Halbinsel Setúbal angebaut. Der dort erzeugte Wein wurde unter dem Namen Periquita bekannt.
Etwas komplizierter wird es bei Trincadeira. Der Name taucht historisch und regional auch im Zusammenhang mit Castelão auf. Gleichzeitig gibt es die eigenständige portugiesische Rebsorte Trincadeira, auch Tinta Amarela genannt. Wer auf den Namen Trincadeira trifft, sollte deshalb genauer hinsehen, welche Rebsorte tatsächlich gemeint ist.
Gleicher Name. Andere Rebe. Portugal macht es einem bei Rebsortennamen nicht immer leicht.
Autochthon oder nicht
Für Portugal ja. Für einzelne Weinregionen muss man genauer hinsehen.
Castelão gilt als autochthone portugiesische Rebsorte. Ihre Geschichte im Land ist seit mindestens 1531 dokumentiert.
Das sagt allerdings noch nichts darüber aus, ob Castelão auch in jeder Region Portugals ursprünglich heimisch ist. In der Algarve wird sie heute zu den traditionellen portugiesischen Rebsorten der Region gezählt. Als autochthone rote Rebsorte der Algarve gilt dagegen Negra Mole.
Auf der Halbinsel Setúbal ist die Rolle eine andere. Dort ist Castelão heute eine der wichtigsten roten Rebsorten und besonders eng mit Palmela und seiner Weingeschichte verbunden.
Autochthon ist Castelão damit auf nationaler Ebene für Portugal. Bei der regionalen Einordnung lohnt sich trotzdem der zweite Blick.
Drei Eigenschaften, die Castelão auszeichnen
Tannin und Säure. Castelão kann viel Tannin und eine ausgeprägte Säure mitbringen. Tannine sind die Gerbstoffe, die einem Rotwein den leicht herben Griff geben. Zusammen bilden Tannin und Säure das Gerüst für Weine, die gut reifen können. Typisch sind je nach Herkunft und Ausbau rote und dunkle Früchte, Pflaume und würzige Noten.
Sand und Wärme. Castelão fühlt sich in warmem Klima und auf trockenen, sandigen Böden besonders wohl. Rund um Palmela und Poceirão stehen alte Reben auf genau solchen Böden. Bei niedrigen Erträgen können daraus konzentrierte Weine mit viel Tannin, Säure und Frucht entstehen.
Cuvée und sortenrein. Castelão wird häufig mit anderen Rebsorten kombiniert, kann aber auch sortenrein ausgebaut werden. Besonders auf der Halbinsel Setúbal entstehen sowohl sortenreine als auch nahezu sortenreine Castelão Weine.
Castelão im Alentejo und in der Algarve
Im Alentejo ist Castelão fest verwurzelt. Dort wird die Sorte sowohl sortenrein als auch gemeinsam mit anderen portugiesischen Rebsorten ausgebaut. Häufige Partner sind Aragonez, Alicante Bouschet, Alfrocheiro oder Tinta Barroca.
Auch in der Algarve wird Castelão angebaut. Dort steht sie neben portugiesischen Rebsorten wie Negra Mole, Trincadeira und Aragonez und wird für verschiedene regionale Rotweine verwendet.
In beiden Regionen trifft Castelão auf unterschiedliche Bedingungen und Rebsortentraditionen. Das zeigt, wie unterschiedlich dieselbe Rebsorte je nach Herkunft eingesetzt werden kann.
Castelão bei Biowein Iberia
Bei Biowein Iberia findet sich Castelão in mehreren portugiesischen Weinen.
Drei Beispiele kommen von Barão & Borge aus dem Alentejo. Im Barão & Borge Tinto 2021 wird Castelão mit Alicante Bouschet kombiniert. Im Maria dos Reis 2021 und im Reserva 2021 zeigt sich Castelão vor allem als Teil verschiedener Verschnitte.
Speisenbegleitung
Castelão kann je nach Herkunft und Ausbau sehr unterschiedlich ausfallen. Kräftigere Varianten passen gut zu Gerichten mit Röstaromen, Würze und etwas Substanz.
Geschmorte Gerichte, gegrilltes Gemüse, Pilze oder gereifter Käse funktionieren gut. Auch traditionelle portugiesische Gerichte mit Bacalhau können je nach Stil des Weins passen.
Welches Gericht am besten funktioniert, hängt vom jeweiligen Castelão ab. Ein junger, fruchtiger Wein wirkt anders am Tisch als ein gereifter Wein aus alten Reben.
Zusammenfassung
Castelão ist eine autochthone rote Rebsorte Portugals mit fast 500 Jahren dokumentierter Geschichte. Der erste schriftliche Nachweis stammt aus Lamego. Heute liegt ihr wichtigstes Zentrum auf der Halbinsel Setúbal rund um Palmela.
Die Sorte ist eine natürliche Kreuzung aus Cayetana Blanca und Alfrocheiro Preto. Sie kommt besonders gut mit warmem Klima und trockenen Sandböden zurecht und bringt Weine mit deutlichen Tanninen, Säure und gutem Alterungspotenzial hervor.
Castelão kann sortenrein ausgebaut werden oder Teil einer Cuvée sein. In Portugal findet man sie vor allem in Lisboa, im Tejo, auf der Halbinsel Setúbal und im Alentejo. Auch in der Algarve wird die Sorte angebaut.
Häufige Fragen zu Castelão
Was ist Castelão? Castelão ist eine autochthone rote Rebsorte aus Portugal. Rund 9.952 Hektar sind mit ihr bestockt. Das entspricht etwa fünf Prozent der portugiesischen Rebfläche.
Woher stammt Castelão? Castelão stammt aus Portugal. Der erste bekannte schriftliche Nachweis stammt aus dem Jahr 1531, als Ruy Fernandes die Rebsorte in der Region um Lamego erwähnte. Wo genau sie innerhalb Portugals entstand, lässt sich nicht sicher bestimmen.
Ist Periquita dasselbe wie Castelão? Periquita ist einer der bekanntesten Namen für Castelão. Der Name geht auf das Grundstück Cova da Periquita zurück, auf dem im 19. Jahrhundert Castelão angebaut wurde.
Ist Castelão mit Trincadeira identisch? Nein. Trincadeira taucht zwar historisch und regional auch als Bezeichnung für Castelão auf. Die eigenständige portugiesische Rebsorte Trincadeira, auch Tinta Amarela genannt, ist jedoch eine andere Sorte.
Wie schmeckt Castelão? Castelão kann deutliches Tannin und eine ausgeprägte Säure zeigen. Typisch sind je nach Herkunft und Ausbau rote und dunkle Früchte, Pflaume und würzige Noten. Stil und Aromen verändern sich mit Standort, Ertrag, Ausbau und Alter.
Wo wird Castelão hauptsächlich angebaut? Die wichtigsten heutigen Anbaugebiete liegen in Lisboa, im Tejo, auf der Halbinsel Setúbal und im Alentejo. Besonders eng ist Castelão mit Palmela verbunden. Auch in der Algarve wird die Sorte angebaut.
Kann Castelão sortenrein ausgebaut werden? Ja. Besonders auf der Halbinsel Setúbal gibt es sortenreine und nahezu sortenreine Castelão Weine. Gleichzeitig wird die Sorte häufig mit anderen roten Rebsorten zu Cuvées kombiniert.
Dieser Artikel ist Teil unserer Rebsorten-Serie bei Biowein Iberia. Wir stellen iberische Rebsorten vor, die es verdienen, besser bekannt zu sein
Genieße verantwortungsvoll! 18+
Autor: Mike Mehlau, https://www.linkedin.com/in/mikemehlau-biowein/

Kommentare