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Negra Mole: Die autochthone Rebsorte der Algarve

  • Autorenbild: Mike
    Mike
  • 26. Juli
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 30. Juli

Negra Mole ist die einzige Rebsorte, die das offizielle Weinkomitee der Algarve als einheimisch für die Region führt. Dokumentiert ist sie seit 1822, in den 1980er Jahren bedeckte sie noch 75 Prozent der Algarve-Weinberge. Heute wird sie kaum noch neu angebaut, oft wächst sie in jahrzehntealten Rebstöcken. International sorgt ihr Name trotzdem für Verwirrung, weil eine ähnlich klingende Rebe aus Spanien stammt.


Herkunft und erste Erwähnung


Der portugiesische Ampelograf Gyrão erwähnt die Rebsorte 1822 zum ersten Mal, in der Gegend von Ourém und an der Algarve. Das macht Negra Mole zur zweitältesten dokumentierten Rebsorte Portugals, so die offizielle Einordnung der Comissão de Vinhos do Algarve, der Weinkommission der Region.

In den 1980er Jahren stand Negra Mole noch auf 75 Prozent der Algarve-Rebflächen. Heute sind es nur noch wenige hundert Hektar, größtenteils alte Anlagen aus den 1950er Jahren. Neu gepflanzt wird kaum. Trotzdem gilt sie weiterhin als die Rebsorte, die am engsten mit der Region verbunden ist.


Ein Name, zwei Reben


Der Name Negra Mole sorgt seit Jahrzehnten für Verwechslung. Auf Madeira und den Kanarischen Inseln wächst eine Rebsorte, die dort Tinta Negra Mole oder Negramoll heißt. Genetische Untersuchungen zeigen, dass diese Rebe identisch ist mit der Mollar aus Andalusien, erstmals belegt 1787 in der Provinz Cádiz. Von dort gelangte sie im 18. Jahrhundert auf die Kanaren und nach Madeira.

Die Algarve-Rebsorte ist eine andere Pflanze. Das portugiesische Ampelografie-Projekt Vine to Wine Circle führt beide als eigenständige Sorten mit unterschiedlichem genetischem Fingerabdruck, ermittelt über sechs DNA-Marker. In der Fachliteratur werden die Namen trotzdem oft in einen Topf geworfen. Selbst das Standardwerk Wine Grapes von Jancis Robinson, Julia Harding und José Vouillamoz listet Negra Mole unter den spanischen Synonymen der Negramoll. Wer nach Negra Mole sucht, findet im Zweifel zwei unterschiedliche Reben unter demselben Namen, je nachdem ob die Quelle aus Portugal oder aus der internationalen Ampelografie stammt.


Autochthon oder nicht


Die ehrliche Antwort hängt davon ab, wen man fragt. Die Comissão de Vinhos do Algarve führt Negra Mole klar als die eine einheimische Rebsorte der Region, neben 47 weiteren nationalen und 26 ausländischen Sorten im Anbau. Die DNA-Analysen von Vine to Wine Circle stützen das, sie weisen der Algarve-Rebe ein eigenes genetisches Profil zu, getrennt von der Rebe aus Madeira.

International zählt Negra Mole trotzdem zu den Synonymen der Negramoll, jener Rebsorte mit Ursprung in Andalusien. Diese Einordnung bezieht sich auf die Namensfamilie, nicht zwingend auf die Algarve-Pflanze selbst. Ampelografische Kataloge sind bei Namensvettern historisch nicht immer sauber getrennt. Für die Algarve gilt: Negra Mole wächst seit mindestens zwei Jahrhunderten dort, nirgendwo sonst in vergleichbarem Umfang, und die Region selbst führt sie als ihre eigene. Autochthon, mit der kleinen Einschränkung, dass der Name anderswo für eine andere Rebe steht.


Drei Eigenschaften, die Negra Mole auszeichnen


Eine Traube, viele Farben. Negra Mole kann in einer einzigen Traube rote, weiße und rosafarbene Beeren gleichzeitig tragen. Diese Eigenschaft ist unter Winzern der Algarve bekannt und einer der Gründe, warum die Rebsorte früher für die traditionellen Clarete- und Palhete-Verschnitte genutzt wurde, helle, erfrischende Rotweine mit wenig Farbe.


Helle Farbe, wenig Gerbstoffe. Die Beerenhaut ist dünn, die Farbintensität im Wein gering bis sehr gering. Auch die Tannine, die Gerbstoffe, die einen Rotwein kantig und trocken schmecken lassen, fallen bei Negra Mole sehr niedrig aus. Das Ergebnis: helle, leichte Rotweine, manchmal kaum dunkler als ein kräftiger Rosé.


Trockenheitstoleranz. Negra Mole verträgt Hitze und Trockenheit gut und kommt mit den kalkhaltigen, tonigen Böden der Algarve zurecht. Bewässerung ist unüblich, was die Sorte zu einer robusten Wahl für ein Klima mit warmen, trockenen Sommern macht.


Vier Gesichter der Algarve


Die Algarve gliedert sich in vier Herkunftsbezeichnungen, DOC genannt: Lagos, Portimão, Lagoa und Tavira, von West nach Ost entlang der Küste. Im Westen macht der Atlantik das Klima milder und feuchter. Richtung Osten, näher an der spanischen Grenze, wird es trockener und mediterraner.

Negra Mole wächst in allen vier DOC-Gebieten und gehört zu den zugelassenen nationalen Sorten in jeder Region. Historisch war Lagoa das Zentrum des Algarve-Weinbaus, bekannt für die traditionellen Clarete- und Likörweine, in denen Negra Mole eine tragende Rolle spielte.


Winzer-Anker: Arvad Negra Mole


Am Fluss Arade bei Estômbar, zwischen Silves und Portimão, baut das Weingut Arvad seit 2016 auf 14 Hektar Rebsorten wie Negra Mole, Touriga Nacional, Alvarinho und Sauvignon Blanc an. Negra Mole nimmt dabei eine besondere Stellung ein, als die Rebsorte, die am engsten mit dem Ort und seiner Geschichte verbunden ist. Arvad keltert sie sortenrein, sowohl als Rotwein, als Rosé als auch als Branco. Alle reifen mehrere Monate in Terrakotta-Amphoren und liegen bei rund 12 bis 12,5 Prozent Alkohol, typisch leicht für die Sorte.

Der Rotwein zeigt sich hell und rubinrot, mit Kirsche, Himbeere und einer erdigen Note von den Amphoren. Der Rosé bleibt noch zurückhaltender, mit Kirsche und Waldbeeren und einem feinen Ton, der an Lehm erinnert. Der Branco zeigt sich mineralisch, mit dezenten Pfirsich und Mirabell Noten. Die Weine sind nicht bio-zertifiziert. Das Weingut kennen wir bei Biowein Iberia persönlich und stehen für die Art, wie dort gearbeitet wird.


Speisenbegleitung


Ein Negra Mole Tinto ist leicht genug für den Sommer und begleitet gegrillten oder im Ofen gegarten Fisch, asiatische Gerichte und helles Fleisch. Auch zu Salaten und kleinen Vorspeisen passt er gut, gekühlt auf etwa 12 Grad. Wer es klassisch mag, serviert ihn wie an der Algarve üblich zur Cataplana, dem regionalen Fisch- und Meeresfrüchte-Eintopf.


Zusammenfassung


Negra Mole ist die Rebsorte, die die Algarve als ihre eigene bezeichnet, dokumentiert seit 1822 und einst auf drei Vierteln der Rebflächen der Region. Eine Traube mit mehrfarbigen Beeren, wenig Gerbstoffen und guter Trockenheitstoleranz macht sie unverwechselbar. International sorgt der Name trotzdem für Verwirrung, weil eine genetisch andere Rebe aus Andalusien unter ganz ähnlichem Namen auf Madeira und den Kanaren wächst. Für die Algarve selbst bleibt die Antwort klar: autochthon, mit einer Namensgeschichte, die es in sich hat.


Häufig gestellte Fragen


Ist Negra Mole eine autochthone Rebsorte?Ja, laut der Comissão de Vinhos do Algarve ist Negra Mole die einheimische Rebsorte der Region, dokumentiert seit 1822. International wird der Name allerdings auch für eine genetisch andere, aus Andalusien stammende Rebe verwendet.

Woher kommt der Name Negra Mole?Negra Mole bezieht sich auf die dünne, weiche Beerenhaut der Traube. Die Algarve-Sorte ist erstmals 1822 in der Gegend von Ourém und an der Algarve belegt.

Ist Negra Mole dasselbe wie Tinta Negra Mole aus Madeira?Nein, laut Vine to Wine Circle handelt es sich um zwei eigenständige Rebsorten mit unterschiedlichem genetischem Profil, auch wenn sich die Namen stark ähneln.

Wie schmeckt ein Wein aus Negra Mole?Hell, leicht und mit wenig Gerbstoffen. Typisch sind Aromen von Kirsche und Himbeere, oft mit einer erdigen Note, besonders wenn der Wein in Amphoren reift.

Wo wird Negra Mole angebaut?Fast ausschließlich an der Algarve, verteilt auf die vier DOC-Gebiete Lagos, Portimão, Lagoa und Tavira.

Ist Negra Mole vom Aussterben bedroht?Neu gepflanzt wird kaum noch, die meisten Rebflächen stammen aus den 1950er Jahren. In den 1980er Jahren machte Negra Mole noch 75 Prozent der Algarve-Rebfläche aus, heute deutlich weniger.

Was passt zu einem Negra Mole Rotwein?Gegrillter oder gebackener Fisch, asiatische Küche, helles Fleisch und leichte Vorspeisen. Serviert bei etwa 12 Grad.


Dieser Artikel ist Teil unserer Rebsorten-Serie bei Biowein Iberia. Wir stellen iberische Rebsorten vor, die es verdienen, besser bekannt zu sein.


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