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Malvasia Fina: Die Rebsorte, die auch Boal heißt

  • Autorenbild: Mike
    Mike
  • 31. Juli
  • 7 Min. Lesezeit

Malvasia Fina ist eine weiße Rebsorte mit Ursprung in Portugal, geführt unter der VIVC-Nummer 715 im Vitis International Variety Catalogue. Genetisch handelt es sich um eine natürliche Kreuzung aus Hebén und Alfrocheiro, bestätigt durch DNA-Analysen. Unter dem Namen Boal beziehungsweise Boal Branco ist sie in weiten Teilen Portugals bekannt, vom Douro bis zur Algarve. Offiziell autochthon für die Algarve ist sie trotzdem nicht: Die Comissão de Vinhos do Algarve führt dort nur eine einzige autochthone Rebsorte, die Negra Mole. Angebaut wird Malvasia Fina in der Algarve vor allem in der DOC Lagos, wo sie beim Weingut Monte da Casteleja gleich in zwei Weinen landet, einmal unter ihrem Hauptnamen, einmal als Boal Branco. Auch weiter westlich, an der Ria de Alvor, steht sie im Weinberg: Das Projekt UCA Violinista, vom selben Team wie Arvad, verschneidet sie dort mit Arinto zu einem salzig-frischen Weißwein.


Herkunft und Verbreitung

Malvasia Fina zählt zu den alten Sorten Portugals. Schon 1513 beschreibt sie der Autor Herrera. Der heute gültige Hauptname wurde erst im Jahr 2000 festgelegt, davor kursierte die Sorte unter vielen regionalen Bezeichnungen nebeneinander. Genetisch ist die Herkunft inzwischen geklärt. Studien von Zinelabidine et al. (2015) und Cunha et al. (2015) bestätigen: Malvasia Fina ist eine natürliche Kreuzung aus Hebén und Alfrocheiro. Diese Zuordnung ist auch im VIVC unter "Pedigree confirmed by markers" hinterlegt.

Interessant dabei: Nur einer der beiden Elternteile ist tatsächlich portugiesisch. Alfrocheiro stammt aus dem Dão. Hebén dagegen ist eine spanische Sorte aus dem andalusischen Sherry-Gebiet. Malvasia Fina ist also, genetisch betrachtet, eine iberische Kreuzung und kein rein portugiesisches Gewächs.

Verbreitet ist die Sorte heute vor allem im Douro und im Dão, wo sie unter dem Namen Assario Branco geführt wird. Zugelassen ist sie außerdem in den DOC-Gebieten Beira Interior, Távora-Varosa und Lagos sowie in den Weinbauregionen Estremadura und Alentejo. Auf Madeira wird sie als Boal kultiviert, auf den Kanarischen Inseln als Gual. Laut Decanter, gestützt auf Daten von OIV und Vinistra aus den Jahren 2020 bis 2023, stehen in Portugal rund 3.282 Hektar Malvasia Fina.


Boal, Bual, Gual: Eine Sorte mit vielen Namen

Kaum eine portugiesische Rebsorte trägt so viele Namen wie diese. Das VIVC listet für Malvasia Fina 32 offizielle Synonyme. Darunter Boal, Boal Branco, Boal Cachudo, Boal da Madeira, Bual und, auf den Kanaren, Gual. Genetisch ist die Sache damit geklärt: Boal und Malvasia Fina sind dieselbe Rebsorte.

Trotzdem ist genau dieser Name, Boal, historisch für Verwirrung bekannt. Auf dem portugiesischen Festland ist die Sache eindeutig. Im Dão heißt die Sorte Assario Branco, an der Algarve Boal Branco, und beides meint dieselbe Pflanze wie Malvasia Fina im Douro. Auf Madeira dagegen wird der Name Boal traditionell auch mit einem eigenen Weinstil verbunden, dem klassischen süßen Bual-Madeira. Und genau hier lohnt sich Genauigkeit: Die klassische Madeira-Sorte Malvasia Cândida, die für die süßen Malmsey-Weine der Insel steht, ist laut Vine to Wine Circle eine eigenständige, von Malvasia Fina verschiedene Rebsorte. Sie wurde separat von Kreta importiert. Wer "Malvasia" oder "Boal" auf einem Madeira-Etikett liest, hat also nicht automatisch dieselbe Pflanze vor sich wie im Glas aus Lagos.

Für die Algarve gilt: Boal Branco ist hier eindeutig Malvasia Fina, DNA-bestätigt und ohne die Madeira-Komplikation.


Autochthon oder nicht: Der Ehrlichkeitscheck

Autochthon heißt: eine Sorte, die genau in dieser Region entstanden ist und sonst nirgends heimisch ist. Für Malvasia Fina an der Algarve lässt sich das klar beantworten. Die Comissão de Vinhos do Algarve führt in ihrer offiziellen Sortenliste 73 zugelassene Rebsorten für die Region, davon 47 nationale und 26 internationale Sorten. Unter den nationalen Sorten gilt genau eine als autochthon für die Algarve: die Negra Mole. Malvasia Fina zählt zu den "castas nacionais", den nationalen Sorten, die in der Region angebaut werden dürfen. Autochthon im engeren Sinn ist sie hier nicht.

Auf nationaler Ebene ist die Lage differenzierter. Das VIVC führt Portugal als Ursprungsland der Sorte, und mit der ersten Erwähnung 1513 zählt sie zu den ältesten dokumentierten Reben des Landes. Gleichzeitig zeigt die DNA-Analyse, dass einer ihrer beiden Elternteile, Hebén, aus Spanien stammt. Malvasia Fina ist damit eine alte, historisch portugiesische Sorte, aber genetisch keine rein portugiesische Neuentstehung, sondern das Ergebnis einer iberischen Kreuzung, deren genauer Entstehungsort unbekannt bleibt.


Drei Eigenschaften, die Malvasia Fina auszeichnen

Empfindliche Blüte, unregelmäßiger Ertrag. Die Rebe verrieselt leicht, ein Effekt, bei dem Blüten nicht zu Beeren werden. Dazu kommt eine erhöhte Anfälligkeit für Echten Mehltau und Botrytis. Das Ergebnis sind schwankende Erntemengen von Jahr zu Jahr, ein Grund, warum die Sorte in vielen Regionen eher als Teil eines Verschnitts als als eigenständige Hauptsorte auftritt.


Frühe Reife. Malvasia Fina zählt zu den früh reifenden Sorten. In warmen, trockenen Lagen wie der Algarve ist das ein Vorteil, die Trauben können vor den heißesten Wochen des Sommers eingebracht werden.


Aromatik, die auch ohne Holzfass bleibt. Typisch für Weine aus Malvasia Fina sind Honignoten, Wachs und eine leichte Muskatnuss-Note, verbunden mit rauchigen Nuancen. Ungewöhnlich dabei: Diese Eigenschaften zeigen sich auch dann, wenn der Wein gar nicht im Holzfass ausgebaut wird.


Regionaler Deep-Dive: Die Algarve und die DOC Lagos

Die Algarve zählt vier Denominações de Origem: Lagoa, Lagos, Portimão und Tavira. Zertifiziert und kontrolliert werden sie seit 2012 von der Comissão Vitivinícola do Algarve. Das Klima der Region ist warm, trocken und wenig windig, mit mehr als 3.000 Sonnenstunden im Jahr. Insgesamt stehen in der Algarve rund 2.000 Hektar Reben.

Malvasia Fina ist in der Algarve speziell für die DOC Lagos als weiße Rebsorte zugelassen, dieselbe Region, in der auch Monte da Casteleja seine Weinberge bewirtschaftet. Die Lage westlich von Lagos, nahe dem Atlantik, sorgt für gemäßigtere Temperaturen als in den östlicheren Teilen der Algarve, ein Umstand, der der empfindlichen Blüte der Sorte entgegenkommt.


Winzer-Anker: Monte da Casteleja und UCA Violinista

Monte da Casteleja liegt bei Lagos und wird von Guillaume Leroux geführt. Die Quinta arbeitet biologisch zertifiziert, das Zertifikat trägt den Code KIWA-SATIVA, und setzt auf traditionelle portugiesische Rebsorten sowie alte Arbeitsweisen wie die Lese von Hand.

Im aktuellen Sortiment taucht Malvasia Fina gleich zweimal auf, und genau das macht die Namensfrage aus diesem Artikel im Glas sichtbar. Der Clássico Branco 2022 ist ein Verschnitt aus 40 Prozent Perrum, 30 Prozent Arinto und 30 Prozent Malvasia Fina, acht Monate in alten 225-Liter-Fässern ausgebaut, mit zwölf Tagen Maischekontakt. Es entstanden 2.587 Flaschen mit 11,98 Prozent Alkohol. Der Meia Praia Branco 2023 dagegen führt die Sorte unter ihrem Algarve-Synonym: 50 Prozent Moscatel und 50 Prozent Boal Branco, ein Naturwein ohne Schwefelzusatz, vier Monate im gebrauchten Barrique gereift, sieben Tage Maischekontakt für den Boal-Anteil. Davon entstanden 2.867 Flaschen mit 12,75 Prozent Alkohol. Beide Weine sind laut offizieller Ficha Técnica der Quinta biologisch zertifiziert.

Weiter westlich, an der Ria de Alvor, findet sich die Sorte noch einmal, bei UCA Violinista. Das Projekt gehört zum selben Team wie Arvad und wird vom gleichen Önologen betreut, Bernardo Cabral. Auf 27 Hektar im Barlavento algarvio, nahe dem Naturschutzgebiet der Ria de Alvor, wird mit minimaler Intervention gearbeitet. In den Ruhephasen der Reben weiden Ziegen zwischen den Stöcken, das hält den Bewuchs niedrig und düngt den Boden auf natürlichem Weg. Der UCA Violinista Branco 2024 verschneidet Arinto mit Boal auf argillo-kalkhaltigen Böden, 11,5 Prozent Alkohol, abgefüllt von Arvad Wine in Estômbar. Bio-zertifiziert ist der Wein nicht.


Speisenbegleitung

Monte da Casteleja selbst gibt für den Clássico Branco fettreichen Fisch und Geflügel als Empfehlung an. Für den Meia Praia Branco nennt die Quinta Fisch und Käse. Beide Angaben stammen direkt von der offiziellen Ficha Técnica der Weine. Bei UCA Violinista nennt das Weingut Meeresfrüchte, gegrillten Fisch und Salate, passend zum salzigen, mineralischen Profil, das der Wein von den Böden an der Ria de Alvor mitbringt. Alle drei Empfehlungen lassen sich auf die Aromatik der Sorte zurückführen: Die Kombination aus moderater Säure und honigartigen, leicht nussigen Noten passt zu Gerichten, die selbst etwas Fülle mitbringen, ohne den Wein zu erschlagen.


Zusammenfassung

Malvasia Fina ist eine der ältesten dokumentierten Rebsorten Portugals, entstanden aus einer natürlichen Kreuzung von Hebén und Alfrocheiro. Unter dem Namen Boal beziehungsweise Boal Branco ist sie an der Algarve fest verankert, DNA-bestätigt identisch mit der Sorte aus Douro und Dão. Autochthon für die Algarve ist sie trotzdem nicht, dieser Status bleibt laut Comissão de Vinhos do Algarve der Negra Mole vorbehalten. In der DOC Lagos zeigt Monte da Casteleja, wie beide Namen der Sorte nebeneinander im Sortiment bestehen können, einmal als Malvasia Fina, einmal als Boal Branco. Weiter westlich, an der Ria de Alvor, bringt sie UCA Violinista unter dem Namen Boal ins Glas.


FAQ

Ist Malvasia Fina eine autochthone Rebsorte? Für Portugal insgesamt gilt sie als alte, historisch verwurzelte Sorte mit erster Erwähnung 1513. Für die Algarve speziell ist sie laut Comissão de Vinhos do Algarve nicht autochthon, dieser Status ist dort ausschließlich der Negra Mole vorbehalten.

Ist Boal dasselbe wie Malvasia Fina? Ja, laut Vitis International Variety Catalogue ist Boal eines von 32 offiziellen Synonymen für Malvasia Fina, genetisch bestätigt unter der VIVC-Nummer 715.

Wo wird Malvasia Fina angebaut? Vor allem im Douro und im Dão, dazu in Beira Interior, Távora-Varosa, Estremadura, Alentejo und in der DOC Lagos an der Algarve. Auf Madeira heißt sie Boal, auf den Kanarischen Inseln Gual.

Was unterscheidet Malvasia Fina von der Malvasia auf Madeira? Die klassische Madeira-Sorte Malvasia Cândida, Basis der süßen Malmsey-Weine, ist eine eigenständige Rebsorte, separat von Kreta importiert und genetisch verschieden von Malvasia Fina.

Wie schmeckt Malvasia Fina? Typisch sind moderate Säure sowie Honig-, Wachs- und leichte Muskatnuss-Noten, die auch ohne Holzfassausbau bestehen bleiben.

Wo an der Algarve kann man Malvasia Fina probieren? Beim Weingut Monte da Casteleja bei Lagos, in zwei Weinen: im Clássico Branco unter dem Namen Malvasia Fina und im Meia Praia Branco unter dem Synonym Boal Branco. Auch bei UCA Violinista an der Ria de Alvor, verschnitten mit Arinto, dort unter dem Namen Boal.

Ist UCA Violinista dasselbe Weingut wie Arvad? Nein, aber ein eng verwandtes Projekt. UCA Violinista gehört zum selben Team und wird vom selben Önologen betreut, Bernardo Cabral, die Weine werden bei Arvad Wine in Estômbar abgefüllt. Arvad selbst führt aktuell keine Malvasia Fina im Sortiment.


Dieser Artikel ist Teil unserer Rebsorten-Serie bei Biowein Iberia. Wir stellen iberische Rebsorten vor, die es verdienen, besser bekannt zu sein.


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