Wein im Urlaub: Warum wir unterwegs Weine bestellen, die wir zu Hause nie ausgesucht hätten

Aktualisiert: vor 4 Tagen
Im Urlaub probieren wir nicht selten Dinge, die wir zu Hause gar nicht erst in Betracht ziehen würden. Das gilt für unbekannte Gerichte genauso wie für regionale Weine. Eine kleine Auswahl, eine Empfehlung vor Ort und die Lust, etwas Neues kennenzulernen, können Entscheidungen leichter machen. Zu Hause greifen wir dagegen häufiger zum Vertrauten. Dabei lässt sich diese Offenheit auch in den Alltag mitnehmen.
Stell dir ein kleines Restaurant an der Algarve vor. Auf der Tafel steht der Fisch des Tages, auf der Weinkarte Branco, Rosé und Tinto. Drei Möglichkeiten, vielleicht noch ein paar Flaschenweine aus der Umgebung.
Wer wissen möchte, was zum Essen passt, fragt die Bedienung. Vielleicht wird ein Wein empfohlen, dessen Rebsorte man noch nie gehört hat. Klingt interessant, also wird er bestellt.
Zu Hause sieht dieselbe Entscheidung anders aus. Im Weinregal stehen Dutzende Flaschen mit unterschiedlichen Rebsorten, Herkunftsangaben und Preisen. Man schaut, vergleicht, liest das Etikett. Und greift am Ende wieder zum Wein, den man schon kennt.
Warum fällt uns das Neue unterwegs manchmal leichter?
Im Urlaub dürfen wir uns weniger auskennen
Im Urlaub gehört es dazu, unbekannte Dinge auszuprobieren. Wir bestellen regionale Gerichte, erkunden Orte und verlassen uns häufiger auf Empfehlungen. Beim Wein ist es ähnlich.
Wer in Portugal ein Glas Wein zum Essen bestellt, muss nicht sämtliche portugiesischen Rebsorten kennen. Auf der Karte stehen möglicherweise Namen, die im deutschen Weinhandel selten oder überhaupt nicht auftauchen. Vor Ort sind sie dagegen ganz normal.
Zu Hause haben wir unsere Gewohnheiten. Wir kennen unsere Lieblingsrebsorten, wissen, welche Weine uns gefallen, und orientieren uns beim Einkauf daran. Das spart Zeit und hilft, Fehlkäufe zu vermeiden.
Im Urlaub verschiebt sich das. Wir sind unterwegs, um etwas anderes zu erleben, und vielleicht auch ein bisschen abenteuerlustiger als zu Hause. Da kann ein unbekannter Wein genauso dazugehören wie ein Gericht, das wir noch nie bestellt haben, oder ein spontaner Abstecher an einen Ort, der gar nicht auf unserem Reiseplan stand.
Diese Offenheit stellt sich im Urlaub allerdings nicht automatisch ein. Manche Menschen probieren gern Neues, andere bleiben auch auf Reisen bei ihren gewohnten Vorlieben. Beides ist nachvollziehbar.
Was wir auswählen, hängt auch davon ab, wo wir gerade sind und worauf wir an diesem Tag Lust haben. Nach einem langen Tag voller neuer Eindrücke kann auch im Urlaub das Vertraute die angenehmere Wahl sein.
Die kurze Weinkarte nimmt uns Arbeit ab
Eine kleine Weinkarte hat einen Vorteil, der beim Einkaufen manchmal fehlt: Jemand hat die Auswahl bereits getroffen.
Fünf Weine lassen sich schneller überblicken als fünfzig. Dazu kommt im Restaurant oft eine Empfehlung, die sich unmittelbar auf das Essen bezieht.
Dass die Größe einer Auswahl unsere Entscheidungen beeinflussen kann, beschäftigt auch die Psychologie.
Sheena Iyengar und Mark Lepper untersuchten im Jahr 2000 unter anderem, wie Menschen auf unterschiedlich große Produktauswahlen reagieren. Bei einem Experiment mit Marmelade konnten Kundinnen und Kunden zwischen sechs oder 24 Sorten wählen. Die größere Auswahl zog mehr Aufmerksamkeit auf sich. Gekauft wurde jedoch häufiger, wenn nur sechs Sorten angeboten wurden.
Eine spätere Metaanalyse von Benjamin Scheibehenne, Rainer Greifeneder und Peter Todd untersuchte 50 Experimente. Im Durchschnitt zeigte sich kein allgemeiner Nachteil einer großen Auswahl. Die Ergebnisse unterschieden sich je nach Untersuchung deutlich.
Eine kurze Weinkarte kann die Entscheidung also erleichtern. Sie muss es aber nicht. Wer einen bestimmten Jahrgang sucht, freut sich vermutlich über eine große Auswahl.
Im Urlaub kommt häufig noch etwas hinzu. Die Bedienung kann erklären, was zum Fisch oder zum Gemüse passt. Vielleicht wird ein Wein aus der Umgebung empfohlen, den wir allein anhand seines Namens kaum ausgewählt hätten.
Damit müssen wir uns nicht durch sämtliche Beschreibungen arbeiten. Wir haben eine konkrete Empfehlung und wissen, wozu der Wein angeboten wird.
Das funktioniert zu Hause nur genauso, wenn wir jemanden fragen, der die Weine kennt.
Was für uns fremd ist, gehört anderswo zum Alltag
In Portugal begegnen uns Rebsorten wie Castelão, Alfrocheiro oder Sousão. Im Alentejo wird auch Aragonez angebaut, die portugiesische Bezeichnung für Tempranillo.
Wer diese Namen zum ersten Mal liest, weiß vielleicht noch nicht, was ihn erwartet.
An der Algarve gibt es beispielsweise Palhete. Seine Farbe liegt häufig zwischen einem kräftigen Rosé und einem hellen Rotwein. Im portugiesischen Weinrecht wird Palhete zu den Rotweinen gezählt. Im Handel findet man ihn wegen seiner Farbe manchmal bei den Roséweinen.
Herstellen lässt sich Palhete aus roten Trauben oder aus einer Kombination roter und weißer Trauben. (wie das genau funktioniert, findet man in unserem Wissensartikel über Palhete)
Im Restaurant begegnen wir solchen Weinen häufig zusammen mit einem Gericht. Vielleicht empfiehlt die Bedienung einen Palhete zu gegrilltem Fisch. Das gibt uns eine Orientierung, auch wenn wir den Wein noch nicht kennen.
Ob er uns schmeckt, wissen wir erst, wenn wir ihn probieren.
Und zu Hause? Da stehen wir wieder vor dem Regal, sehen einen unbekannten Namen und greifen doch zum vertrauten Wein.
Ein bisschen Urlaubsneugier für zu Hause
Was wäre, wenn wir beim nächsten Weinkauf ähnlich vorgehen wie in einem kleinen Restaurant?
Wir könnten uns eine Region aussuchen, die wir noch nicht kennen, oder nach einer Empfehlung fragen. Vielleicht sogar ganz konkret: Welchen Wein würdest du mir empfehlen, den ich selbst wahrscheinlich übersehen hätte?
Manchmal lohnt es sich auch, kurz zu überlegen, warum wir bestimmte Weine bisher nie gewählt haben. Liegt es an der unbekannten Rebsorte? Am Etikett? Oder daran, dass wir beim Einkaufen meistens denselben Weg durch das Regal nehmen?
Gewohnheiten sind dabei durchaus praktisch. Sie sparen Zeit, und beim Lieblingswein wissen wir bereits, was uns erwartet. Es spricht also nichts dagegen, bei Bewährtem zu bleiben.
Aber gelegentlich kann es interessant sein, jemand anderem die Vorauswahl zu überlassen.
Im Restaurant hat das schon funktioniert. Warum also nicht beim nächsten Einkauf?
Ein Trio aus drei Regionen kann diese Auswahl genauso überschaubar halten wie eine kurze Weinkarte. Ein Rotwein aus dem Alentejo, ein Palhete von der Algarve und ein junger Graciano aus Andalusien. Drei Weine, die bei der üblichen Suche nach Grauburgunder oder Tempranillo vielleicht gar nicht auf dem Zettel gestanden hätten.
Welcher davon zum nächsten Essen oder zu einem Abend mit Freunden passt, kann man immer noch selbst entscheiden. Die Auswahl ist klein genug, um sich mit den unbekannten Weinen zu beschäftigen.
Die Entdeckung beginnt mit der Auswahl
Vielleicht nehmen wir aus dem Urlaub manchmal mehr mit als Fotos, Kühlschrankmagnet oder die Erinnerung an ein gutes Essen. Zum Beispiel die Erfahrung, dass es ganz angenehm sein kann, eine Entscheidung nicht lange zu zerdenken.
Ein Wein aus einer unbekannten Rebsorte kann uns gefallen. Vielleicht ist er auch nicht unser Geschmack. Beim nächsten Mal wissen wir dann immerhin etwas mehr über unsere Vorlieben.
Und vielleicht fragen wir beim nächsten Weinkauf einfach wieder nach einer Empfehlung, die uns selbst gar nicht eingefallen wäre.
Für jeden Moment gibt es den passenden Wein. Manchmal steht er nur in einer anderen Ecke des Regals.
Häufige Fragen zu Wein im Urlaub
Was verstehen wir unter Wein im Urlaub?
Damit sind Weine gemeint, die man auf Reisen kennenlernt, im Restaurant bestellt oder aus der Urlaubsregion mit nach Hause nimmt. Häufig verbindet man sie mit einem bestimmten Ort oder Essen. Es muss sich dabei nicht um besonders teure oder seltene Weine handeln.
Warum probieren wir im Urlaub häufiger unbekannte Weine?
Auf Reisen begegnen wir neuen Gerichten und regionalen Angeboten. Empfehlungen vor Ort können die Entscheidung erleichtern. Dazu kommt bei manchen Menschen die Lust, im Urlaub etwas auszuprobieren, das sie zu Hause normalerweise nicht wählen würden.
Sind kleine Weinkarten besser als große?
Das hängt davon ab, was man sucht. Wer einen bestimmten Wein oder Jahrgang im Kopf hat, profitiert möglicherweise von einer großen Auswahl. Wer sich wenig auskennt, findet eine kurze Karte mit guten Empfehlungen vielleicht angenehmer. Die Forschung zeigt keinen allgemeinen Vorteil kleinerer Sortimente.
Warum kaufen wir zu Hause häufig dieselben Weine?
Vertraute Weine erleichtern den Einkauf. Wir kennen ihren Geschmack und wissen, was wir erwarten können. Wer etwas Neues kennenlernen möchte, kann sich gelegentlich eine andere Rebsorte oder Herkunftsregion empfehlen lassen.
Was sind autochthone Rebsorten?
Als autochthon bezeichnet man Rebsorten, die als einheimisch für eine bestimmte Region gelten. Dazu zählen in Portugal beispielsweise Castelão und Alfrocheiro. Außerhalb ihrer Anbaugebiete sind viele dieser Sorten weniger bekannt.
Was ist ein Palhete?
Palhete ist eine traditionelle portugiesische Weinbezeichnung. Der Wein wird durch teilweise Maischegärung roter Trauben oder durch die gemeinsame Verarbeitung roter und weißer Trauben hergestellt. Im zweiten Fall darf der Anteil weißer Trauben höchstens 15 Prozent betragen. Farblich kann er an einen kräftigen Rosé oder einen hellen Rotwein erinnern.
Welche Weine gehören zum Bio Trio Wein im Urlaub?
Das Bundle enthält den Bio Rotwein Maria dos Reis 2021 von Barão & Borge, den Bio Roséwein Palhete 2022 von Monte da Casteleja und den Bio Rotwein Joven 2023 von Bodega Marcelino Serrano. Die Weine stammen aus dem Alentejo, der Algarve und Andalusien. Alle drei werden im Shop als Bio-Weine geführt.
Dieser Artikel ist Teil unserer Reihe Wine & Season bei Biowein Iberia. Wir verbinden Weine mit den Momenten, in die sie gehören, von Portugal und Spanien bis an die Nordsee.
Genieße verantwortungsvoll! 18+
Autor: Mike Mehlau, https://www.linkedin.com/in/mikemehlau-biowein/




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