Perrum: Eine Rebsorte zwischen zwei Ländern
- Mike

- 31. Juli
- 6 Min. Lesezeit
Perrum ist eine weiße Rebsorte, die vor allem im portugiesischen Alentejo und in der Algarve angebaut wird. Die Comissão de Vinhos do Algarve führt sie als eine von 73 zugelassenen Sorten der Region, aber nicht als autochthon. In Spanien ist dieselbe Traube unter dem Namen Pedro Ximénez bekannt, eine der wichtigsten Sorten für Sherry aus Jerez und Montilla-Moriles. Ob Perrum und Pedro Ximénez genetisch identisch sind oder zwei eigenständige Verwandte derselben Ursprungssorte Hebén, wird von Fachquellen unterschiedlich beantwortet. Am Weingut Monte da Casteleja in Lagos wächst Perrum seit den frühen 2000er Jahren und fließt unter anderem in den Curtimenta, einen Orange Wine mit Schalenkontakt.
Herkunft und Verbreitung
Perrum ist in Portugal vor allem im Alentejo zuhause, dort in den DOC-Teilregionen Borba, Évora, Granja-Amareleja, Reguengos und Vidigueira. Aktuellen Zahlen des Diário do Alentejo von April 2024 zufolge steht Perrum dort heute auf 54 Hektar und ist damit die fünfzehntmeistgepflanzte weiße Sorte der Region, mit dem größten Anteil in den Teilregionen Vidigueira mit 38,8 Hektar und Reguengos mit 7,8 Hektar. In der Algarve steht sie deutlich seltener, mit begrenzten Flächen in der Vinho Regional Algarve.
In Spanien trägt dieselbe Rebe den Namen Pedro Ximénez und ist dort weitaus verbreiteter. In der Denominación de Origen Montilla-Moriles in Andalusien, wo der Großteil der spanischen Anbaufläche liegt, wurden im September 2024 laut Asaja-Córdoba rund 3.800 Hektar Rebfläche gezählt. Pedro Ximénez macht davon nach Angaben des Kontrollrats mehr als 95 Prozent aus. Dort wird die Traube nach der Ernte in der Sonne getrocknet und ergibt einen der süßesten und dunkelsten Sherry-Stile überhaupt.
Namensbesonderheit
Der Name Perrum wird in praktisch jeder Fachquelle als portugiesisches Synonym für Pedro Ximénez geführt, auch im Standardwerk Wine Grapes von Robinson, Harding und Vouillamoz. Laut einer DNA-Analyse aus dem Jahr 2007 ist Pedro Ximénez ein Nachkomme der alten Tafeltraube Hebén, auch Gibi genannt, die einst über die gesamte Iberische Halbinsel verbreitet war. Hebén gilt als Elternsorte von rund 60 weiteren Rebsorten, darunter auch die verwandte Sorte Alarije.
Ein Blick in die amtliche Datenbank VIVC (Vitis International Variety Catalogue, geführt vom Julius Kühn-Institut) zeigt allerdings eine Besonderheit. Dort sind Perrum Branco (VIVC-Nummer 9183, Ursprungsland Portugal) und Pedro Ximénez (VIVC-Nummer 9080, Ursprungsland Spanien) als zwei getrennte Sorten mit eigenem Prime Name geführt, nicht als ein und dieselbe Sorte unter zwei Namen. Beide sind laut Marker-Analyse Nachkommen von Hebén, aber die VIVC listet sie nicht als Synonym-Paar. Der Name Perrum selbst taucht im VIVC-Eintrag zu Perrum Branco als offizieller Name in Portugal auf, nicht im Eintrag zu Pedro Ximénez.
Die Fachliteratur und die amtliche Datenbank kommen hier also zu unterschiedlichen Einordnungen. Welche Lesart korrekt ist, lässt sich mit den verfügbaren Quellen nicht abschließend klären.
Autochthon oder nicht
Für die Algarve lässt sich das ohne Umwege beantworten. Die Comissão de Vinhos do Algarve unterscheidet in ihrer eigenen Klassifikation zwischen castas nacionais, also national anerkannten portugiesischen Sorten, und der einzigen als autochthon geführten Sorte der Region. Von den 73 in der Algarve zugelassenen Rebsorten gelten 47 als nationale und 26 als ausländische Sorten. Autochthon, also in der Algarve selbst entstanden, ist nach dieser offiziellen Einordnung nur eine einzige: Negra Mole. Perrum zählt zu den castas nacionais und ist damit in der Algarve zwar heimisch geworden, aber nicht dort entstanden.
Auf nationaler Ebene wird es komplizierter. Folgt man der Mehrheit der Fachquellen und dem Werk Wine Grapes, ist Perrum schlicht der portugiesische Name für eine spanische Sorte, die über die Grenze gewandert ist. Autochthon für Portugal wäre sie dann nicht. Folgt man dagegen der offiziellen VIVC-Einordnung mit Portugal als eigenem Ursprungsland für Perrum Branco, ließe sich zumindest diskutieren, ob die Sorte in Portugal eine eigenständige Entwicklung genommen hat. Beide Positionen stehen in der Fachwelt nebeneinander, ohne dass eine Seite als eindeutig widerlegt gelten kann.
Drei Eigenschaften, die Perrum auszeichnen
Perrum ist eine Rebsorte für heißes, trockenes Klima. Sie kommt mit Trockenheit gut zurecht und zeigt nach Angaben der portugiesischen Fachpublikation Vida Rural eine gute Widerstandsfähigkeit gegen die im Alentejo häufigsten Schädlinge und Krankheiten, auch wenn sie in den Weinbergen nur in geringem Anteil steht.
Der Ertrag ist unregelmäßig. Auf reichen Böden wächst Perrum sehr üppig, die Triebe werden dick und die Trauben tun sich schwer, vollständig auszureifen. Das macht die Sorte anspruchsvoll im Anbau und erklärt, warum sie fast nie sortenrein steht, sondern fast immer im Verschnitt mit anderen weißen Sorten wie Arinto, Antão Vaz oder Malvasia Fina.
Geschmacklich bringt Perrum Frische statt Fülle. Die Weine zeigen eine strohgelbe bis blassgoldene Farbe, Aromen von grünem Apfel, Zitrus und weißen Blüten, dazu eine milde Säure und einen mittleren Körper. Genau diese Eigenschaften machen sie zur guten Ergänzung in Cuvées, wo sie Frische beisteuert, ohne den Wein zu dominieren.
Alentejo und Algarve: zwei Hochburgen
Im Alentejo ist Perrum eine von mehreren weißen Sorten, die für DOC-Weine zugelassen sind, neben Antão Vaz, Arinto, Fernão Pires, Manteúdo, Rabo-de-Ovelha, Síria und Tamarez. Besonders verbreitet ist sie in den Teilregionen rund um Évora und Borba, wo sie meist als Teil eines Cuvées und nicht sortenrein vinifiziert wird.
In der Algarve ist Perrum in allen vier Denominações de Origem als nationale Sorte gelistet, in Lagos, Portimão und Tavira namentlich genannt. Anders als Arinto oder Malvasia Fina, die dort zu den mengenmäßig führenden weißen Sorten zählen, bleibt Perrum ein Nischenprodukt. Genau darin liegt für kleine, handwerkliche Betriebe wie Monte da Casteleja ihr Reiz. Wer heute noch auf Perrum setzt, bewahrt eine Sorte, die im großen Maßstab kaum noch angebaut wird.
Monte da Casteleja: Perrum in Lagos
Nur wenige Minuten von Lagos entfernt liegt das Weingut Monte da Casteleja, in Sargaçal, dort wo die Meeresbrise auf das warme Hinterland trifft. Guillaume Leroux hat den Ton-Kalk-Boden von seinem Großvater geerbt, der ihm das Grundstück bereits 1983 überließ. Nach einem Studium der Önologie in Montpellier und fünf Jahren im Douro, unter anderem bei Taylor und Quinta do Côtto, kehrte er 1999 in die Algarve zurück und pflanzte auf gut drei Hektar bewusst traditionelle portugiesische Sorten: Bastardo, Alfrocheiro, Malvasia Fina, Perrum, Arinto und Sousão. Seit 2011 ist der Betrieb offiziell bio-zertifiziert.
Perrum wird bei Monte da Casteleja unter anderem im Curtimenta verwendet, einem Orange Wine mit Schalenkontakt. Bei diesem Verfahren bleiben die weißen Trauben nach der Pressung länger mit ihren Schalen in Berührung, wie es sonst bei Rotwein üblich ist, und geben dabei zusätzliche Aromen und Struktur an den Wein ab. Laut der Ficha Técnica des Weinguts steht der Curtimenta Branco 2022 zu 40 Prozent aus Perrum, ergänzt um 30 Prozent Arinto und 30 Prozent Malvasia Fina. Die Trauben werden von Hand gelesen, der Most vergärt zwölf Tage lang auf den Schalen, danach reift der Wein acht Monate in alten 225-Liter-Fässern. Die Reben stehen auf flachgründigen, kalk- und tonhaltigen Böden des Weinguts, in Ost-West ausgerichteten Zeilen mit begrenztem Hektarertrag. Vom Jahrgang 2022 wurden 2.587 Flaschen abgefüllt, ohne vorherige Schönung oder Filtration. Bei Biowein Iberia ist der Wein als Bio Orange Wine Curtimenta gelistet, bio-zertifiziert nach PT-BIO-03.
Speisenbegleitung
Weine mit Perrum im Verschnitt bringen meist Zitrusfrische und eine milde Säure mit, oft ergänzt durch mineralische Noten. Das passt gut zu Meeresfrüchten und leichten Fischgerichten, zu einfachen Salaten mit viel Zitrone oder zu einem unkomplizierten Abend mit Käse und Oliven. Orange Wine wie der Curtimenta verträgt durch den Schalenkontakt auch etwas mehr Würze, zum Beispiel bei gegrilltem Gemüse oder milden asiatischen Gerichten.
Zusammenfassung
Perrum ist eine weiße Rebsorte, die vor allem im Alentejo und in kleinerem Maßstab in der Algarve wächst. In Spanien ist sie unter dem Namen Pedro Ximénez für ihre Rolle im Sherry bekannt. Ob beide Namen dieselbe Sorte bezeichnen oder zwei nahe verwandte Sorten, ist zwischen der Fachliteratur und der amtlichen VIVC-Datenbank nicht einheitlich geklärt. Autochthon für die Algarve ist sie nach offizieller Einordnung der Comissão de Vinhos do Algarve nicht, dort trägt nur Negra Mole diesen Status. Bei Monte da Casteleja in Lagos wächst Perrum seit 1999 und ist heute Teil des Curtimenta, eines bio-zertifizierten Orange Wine mit Arinto und Malvasia Fina.
FAQ
Ist Perrum dasselbe wie Pedro Ximénez?
Die meisten Fachquellen, darunter das Standardwerk Wine Grapes, führen Perrum als portugiesisches Synonym für Pedro Ximénez. Die amtliche Datenbank VIVC listet beide dagegen als zwei getrennte Sorten mit unterschiedlichem Ursprungsland, beide als Nachkommen derselben Ursprungssorte Hebén. Eine einheitliche Antwort gibt es aktuell nicht.
Ist Perrum eine autochthone Rebsorte der Algarve?
Nein. Die Comissão de Vinhos do Algarve führt unter den 73 zugelassenen Sorten der Region nur eine einzige als autochthon: Negra Mole. Perrum zählt zu den castas nacionais, den national anerkannten, aber nicht in der Algarve entstandenen Sorten.
Wo wird Perrum hauptsächlich angebaut?
Der Schwerpunkt liegt im portugiesischen Alentejo, vor allem in den Teilregionen Évora und Borba. In der Algarve steht die Sorte in deutlich kleinerem Umfang, ist dort aber in allen vier Denominações de Origem als nationale Sorte zugelassen.
Wie schmeckt ein Wein mit Perrum?
Perrum bringt Zitrusfrische, Aromen von grünem Apfel und weißen Blüten sowie eine milde Säure mit. Da die Sorte fast nie sortenrein steht, prägt sie Cuvées meist als frischer Baustein neben kräftigeren Partnern wie Arinto oder Malvasia Fina.
Warum wird Perrum fast nie sortenrein vinifiziert?
Auf reichen Böden wächst die Rebe sehr üppig, die Triebe werden dick, und die Trauben reifen ungleichmäßig aus. Das macht Perrum im Alleingang anspruchsvoll und erklärt, warum sie fast immer im Verschnitt mit anderen weißen Sorten verarbeitet wird.
Was ist ein Curtimenta Wein?
Ein Curtimenta ist ein portugiesischer Orange Wine. Die weißen Trauben bleiben nach dem Pressen für eine bestimmte Zeit mit ihren Schalen in Kontakt, ähnlich wie bei der Rotweinherstellung. Das gibt dem Wein zusätzliche Aromen und mehr Struktur als bei klassischem Weißwein.
Seit wann baut Monte da Casteleja Perrum an?
Guillaume Leroux hat die Rebsorte 1999 gepflanzt, als er das geerbte Weingut in Sargaçal bei Lagos übernahm. Seit 2011 arbeitet der Betrieb bio-zertifiziert.
Dieser Artikel ist Teil unserer Rebsorten-Serie bei Biowein Iberia. Wir stellen iberische Rebsorten vor, die es verdienen, besser bekannt zu sein.
Genieße verantwortungsvoll! 18+
Autor: Mike Mehlau, https://www.linkedin.com/in/mikemehlau-biowein/

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