Alfrocheiro: Die stille Rebsorte aus Portugal

Aktualisiert: vor 4 Tagen
Alfrocheiro, auch Alfrocheiro Preto genannt, ist eine traditionelle portugiesische Rotwein-Rebsorte, die vor allem im Dão und im Alentejo angebaut wird. Sie bringt tief gefärbte Weine mit ausgeprägter Frucht, lebendiger Säure und meist gut eingebundenen Gerbstoffen hervor. Besonders in warmen Anbaugebieten wird sie für ihre Fähigkeit geschätzt, natürliche Säure zu bewahren.
In Spanien ist dieselbe Rebsorte unter anderem als Baboso Negro und Bruñal bekannt. Und DNA-Untersuchungen zeigen, dass Alfrocheiro mit zahlreichen anderen iberischen Rebsorten verwandt ist.
Was ist Alfrocheiro eigentlich?
Alfrocheiro zählt zu den traditionellen roten Rebsorten Portugals. Häufig wird sie als autochthone portugiesische Sorte bezeichnet. Ihre genaue geografische Herkunft ist allerdings bis heute nicht abschließend geklärt.
Die stärkste Verbindung besitzt Alfrocheiro zur Weinregion Dão im nördlichen Zentralportugal. Dort wird sie seit Langem angebaut und gehört zu den zugelassenen Rebsorten der DOC Dão.
Eine frühe schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1790. Damals wurde Alfrocheiro im Zusammenhang mit dem Weinbau rund um Lamego im Douro beschrieben. Historische Quellen erwähnen sie später auch in anderen portugiesischen Regionen.
Der zweite Name Alfrocheiro Preto verweist auf die dunkle Farbe der Beeren. Preto bedeutet auf Portugiesisch schwarz. Die Trauben besitzen kleine, dunkelblau bis fast schwarz gefärbte Beeren und wachsen in vergleichsweise kompakten Trauben.
Heute findet man Alfrocheiro auch im Alentejo, im Tejo und auf der Halbinsel Setúbal. Im Süden Portugals wird sie besonders wegen ihrer Säure geschätzt.
Baboso Negro, Bruñal und andere Namen
Alfrocheiro trägt mehrere historische und regionale Bezeichnungen.
In Portugal sind unter anderem Alfrocheiro Preto, Alfurcheiro und Tinta Bastardinha überliefert. Auch Tinta Francisca de Viseu taucht in älteren Quellen auf, wobei die Zuordnung dieses Namens nicht in allen Fachquellen als eindeutig gilt.
In Spanien kennt man die Sorte als Baboso Negro auf den Kanarischen Inseln und als Bruñal in den Provinzen Zamora und Salamanca. In Asturien wird sie Albarín Negro genannt.
Dass diese regionalen Namen dieselbe Rebsorte bezeichnen, wurde durch genetische Untersuchungen bestätigt.
Eine wissenschaftliche Untersuchung aus dem Jahr 2015 beschreibt Alfrocheiro beziehungsweise Bruñal als wichtige Elternsorte innerhalb der iberischen Rebsortenfamilien.
Die genetischen Verbindungen reichen über Portugal und Spanien hinaus. Ihre Herkunft könnte nach Einschätzung der Forschenden im portugiesisch-spanischen Grenzraum liegen. Vollständig geklärt ist sie jedoch nicht.
Wie schmeckt ein Wein aus Alfrocheiro?
Alfrocheiro bringt meist kräftig gefärbte Rotweine hervor. Das Rubinrot kann sehr dunkel ausfallen, bei jungen Weinen häufig mit violetten Reflexen.
Aromatisch stehen rote und dunkle Früchte im Vordergrund. Typisch sind reife Erdbeeren, Kirschen und Brombeeren. Je nach Herkunft und Ausbau können florale Noten, beispielsweise Veilchen, hinzukommen.
Die Gerbstoffe sind häufig spürbar, wirken bei gut gereiften Trauben aber eher fein als hart. Dadurch können Weine entstehen, die trotz kräftiger Farbe angenehm zugänglich bleiben.
Eine weitere Eigenschaft ist die Säure. Alfrocheiro kann selbst in warmen Anbaugebieten eine vergleichsweise lebendige Säure bewahren. Sie sorgt dafür, dass ein kräftiger Rotwein nicht zwangsläufig schwer wirkt.
Wie vollmundig ein Alfrocheiro ausfällt, hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu gehören das Klima, der Reifegrad der Trauben und die Weinbereitung.
Im Dão entstehen häufig strukturierte Rotweine mit frischer Frucht und einer ausgeprägten Säure. Der Ausbau kann ihre feinere Seite betonen.
Im wärmeren Alentejo zeigen Alfrocheiro-Weine oft reifere Frucht und mehr Fülle. Auch dort kann die Sorte einen guten Ausgleich zwischen Alkohol, Gerbstoffen und Säure bieten.
Beim Holzfassausbau kommen weitere Aromen hinzu. Je nach Fass und Lagerzeit können sich würzige oder leicht geröstete Noten entwickeln.
Deshalb schmeckt ein reinsortiger Alfrocheiro aus dem Edelstahltank anders als eine gereifte Cuvée, in der er mit mehreren roten Rebsorten zusammenkommt.
Warum ist Alfrocheiro im Alentejo gefragt?
Der Alentejo liegt im Süden Portugals. Große Teile der Region sind durch heiße, trockene Sommer geprägt. Für den Weinbau bedeutet das häufig hohe Temperaturen während der Reifezeit.
Trauben bauen bei zunehmender Reife Zucker auf und verlieren einen Teil ihrer natürlichen Säure. Besonders in warmen Jahren kann das zu Rotweinen führen, die kräftig und alkoholreich ausfallen.
Alfrocheiro besitzt die Fähigkeit, auch unter warmen Bedingungen vergleichsweise viel Säure zu bewahren. Das macht sie für den Weinbau im Alentejo interessant.
In Cuvées kann sie andere Rebsorten ergänzen, etwa Aragonez oder Trincadeira. Je nach Zusammensetzung bringt Alfrocheiro Frische, zusätzliche Farbe und eigene Fruchtaromen in den Wein.
Auch mit Alicante Bouschet und Castelão wird sie kombiniert.
Dabei übernimmt sie keine festgelegte Aufgabe. Die Eigenschaften einer Cuvée hängen immer vom Anteil der einzelnen Rebsorten und ihrer jeweiligen Verarbeitung ab.
Eine kräftige, reife Alfrocheiro kann beispielsweise selbst viel Körper mitbringen. In einem anderen Jahrgang oder bei einer früheren Lese kann ihre Säure deutlicher im Vordergrund stehen.
Die Rebsorte gibt Winzern damit verschiedene Möglichkeiten, den Stil ihrer Rotweine zu beeinflussen.
Alfrocheiro und die Verwandtschaft portugiesischer Rebsorten
Eine besonders interessante Seite von Alfrocheiro zeigt sich in ihrem genetischen Stammbaum.
Forschende aus Portugal und Spanien haben 2015 die Verwandtschaftsverhältnisse verschiedener iberischer Rebsorten untersucht. Dabei fanden sie mehr als zwanzig direkte Eltern-Kind-Beziehungen, an denen Alfrocheiro beteiligt ist.
Zu ihren Nachkommen gehören mehrere portugiesische Rebsorten, die heute noch angebaut werden.
Ein Beispiel ist die weiße Malvasia Fina. Sie entstand durch eine natürliche Kreuzung aus Alfrocheiro und Hebén, einer alten weißen Rebsorte, die historisch in Spanien verbreitet war.
Eine weitere Verbindung besteht zu Castelão. Diese rote portugiesische Rebsorte stammt von Alfrocheiro und Cayetana Blanca ab.
Damit besitzen Malvasia Fina und Castelão denselben Elternteil. Beide sind Halbgeschwister, obwohl die eine Sorte weiße und die andere rote Trauben hervorbringt.
Die Verwandtschaft geht noch weiter. Cayetana Blanca, der zweite Elternteil von Castelão, stammt ebenfalls von Hebén ab. Malvasia Fina ist für Castelão deshalb gleichzeitig Halbschwester und Halbtante.
Die Familienverhältnisse verdeutlichen, wie eng viele portugiesische und spanische Rebsorten genetisch miteinander verbunden sind.
Alfrocheiro hat damit zahlreiche Nachkommen hervorgebracht, die heute unter eigenen Namen angebaut werden und teilweise wesentlich bekannter sind als ihre Elternsorte.
Alfrocheiro im biologischen Weinbau
Bei der biologischen Bewirtschaftung kommt es auch auf die Eigenschaften der Rebsorte an. Manche Sorten sind weniger anfällig für bestimmte Krankheiten, andere benötigen mehr Aufmerksamkeit.
Alfrocheiro gehört nicht zu den besonders widerstandsfähigen Sorten.
Sie besitzt eine vergleichsweise hohe Anfälligkeit für Echten Mehltau, im Weinbau Oidium genannt, und für Grauschimmel beziehungsweise Botrytis. Besonders bei feuchter Witterung können diese Krankheiten zu Problemen führen.
Die Sorte wächst zudem kräftig. Deshalb müssen Winzer die Laubwand sorgfältig pflegen, damit die Trauben ausreichend belüftet werden und nach Niederschlägen besser abtrocknen.
Für den biologischen Weinbau bedeutet das einen erhöhten Aufwand bei der Pflege der Reben und beim Pflanzenschutz.
Biologische Bewirtschaftung schließt geeignete Pflanzenschutzmaßnahmen nicht grundsätzlich aus. Welche Mittel eingesetzt werden dürfen, ist durch die Vorschriften für den ökologischen Weinbau geregelt.
Auch Alfrocheiro lässt sich biologisch anbauen. Entscheidend sind die Bedingungen im Weinberg und eine Bewirtschaftung, die auf die Anfälligkeit der Sorte abgestimmt ist.
Ein Beispiel dafür findet sich an der Algarve, beim Weingut Monte da Casteleja.
Alfrocheiro bei Biowein Iberia
In unserem Sortiment begegnet uns Alfrocheiro sowohl an der Algarve als auch im Alentejo.
Bei Monte da Casteleja nahe Lagos baut Guillaume Leroux Alfrocheiro auf ökologisch bewirtschafteten Rebflächen an. Die Sorte spielt bei mehreren seiner Rotweine eine Rolle.
Der Bio Rotwein Abeluiz 2021 zeigt reife Frucht, dunkle Kirschnoten und eine angenehme Frische. Sechs Monate reift er in Fässern aus amerikanischer Eiche.
Seinen Namen verdankt er Abel, dem Großvater von Guillaume Leroux. Ihm hat der Winzer diesen Wein gewidmet.
Auch im Bio Rotwein Meia Praia kommt Alfrocheiro zum Einsatz, hier zusammen mit Sousão.
Der Wein verbindet reife rote Frucht mit einer frischen Säure. Er wird ebenfalls im Holzfass ausgebaut.
Im Alentejo arbeitet die Familie Barão & Borge mit Alfrocheiro als Teil verschiedener Rotwein-Cuvées.
Im Bio Rotwein Maria dos Reis 2021 wird Alfrocheiro mit Alicante Bouschet, Castelão, Tinta Barroca und Aragonez kombiniert.
Die Cuvée bringt reife Frucht und würzige Aromen mit. Der Wein ist kräftig und eignet sich besonders zu herzhaften Gerichten.
In den Weinen der beiden Familienbetriebe lässt sich gut nachvollziehen, wie unterschiedlich Alfrocheiro eingesetzt wird. Mal steht die Sorte stärker im Vordergrund, mal bildet sie einen Teil einer Cuvée mit mehreren portugiesischen Rebsorten.
Wozu passt ein Wein aus Alfrocheiro?
Die passende Speise hängt vom Stil des Weins ab. Ein junger, fruchtiger Alfrocheiro verlangt nach anderen Gerichten als ein kräftiger Rotwein mit längerer Holzfasslagerung.
Zu einem frischeren Alfrocheiro passen beispielsweise gegrilltes Gemüse, würzige Linsengerichte oder gebratene Champignons mit Knoblauch.
Auch Schweinefleisch aus dem Ofen kann gut funktionieren. Die Säure des Weins bildet einen angenehmen Ausgleich zu etwas fettreicheren Fleischstücken.
Im Alentejo ist das schwarze iberische Schwein, Porco Preto, ein bekanntes regionales Produkt. Je nach Zubereitung passt dazu ein Alfrocheiro mit reifer Frucht und kräftigerer Struktur.
Bei einem länger im Holz gereiften Wein dürfen die Speisen mehr Röstaromen und Würze mitbringen. Geschmortes Lamm oder ein kräftiger Schafskäse sind gute Möglichkeiten.
Für einen unkomplizierten Abend reicht auch ein Teller mit gereiftem Käse, Oliven und Brot.
Bei der Serviertemperatur würde ich mich am jeweiligen Wein orientieren. Ein junger, fruchtbetonter Alfrocheiro kann bei etwa 15 bis 16 Grad angenehm frisch wirken. Kräftigere und länger gereifte Rotweine dürfen etwas wärmer ins Glas.
Häufige Fragen zu Alfrocheiro
Was ist Alfrocheiro für eine Rebsorte?
Alfrocheiro ist eine traditionelle rote Rebsorte Portugals, die häufig als autochthon bezeichnet wird. Sie wird besonders im Dão und im Alentejo angebaut. Typisch sind eine kräftige Farbe, fruchtige Aromen und eine vergleichsweise lebendige Säure.
Woher stammt Alfrocheiro?
Die genaue Herkunft ist nicht abschließend geklärt. Ihre stärkste historische Verbindung besitzt die Sorte zur portugiesischen Region Dão. Ein schriftlicher Nachweis stammt aus dem Jahr 1790. Genetische Untersuchungen deuten auf eine mögliche Herkunft im portugiesisch-spanischen Grenzraum hin.
Wie schmeckt ein Wein aus Alfrocheiro?
Typisch sind Aromen von Erdbeeren, Kirschen und Brombeeren. Auch florale Noten können vorkommen. Die Weine besitzen häufig eine tiefe rubinrote Farbe, ausgeprägte Säure und gut strukturierte Gerbstoffe. Körper und Aromatik hängen von Herkunft und Ausbau ab.
Ist Alfrocheiro mit anderen portugiesischen Rebsorten verwandt?
Ja. DNA-Untersuchungen haben zahlreiche direkte Nachkommen von Alfrocheiro identifiziert. Dazu gehören Malvasia Fina und Castelão. Bei Malvasia Fina ist Hebén der zweite Elternteil, bei Castelão ist es Cayetana Blanca.
Welche anderen Namen hat Alfrocheiro?
Bekannte Bezeichnungen sind Alfrocheiro Preto, Alfurcheiro und Tinta Bastardinha. In Spanien wird die Sorte unter anderem Baboso Negro, Bruñal und Albarín Negro genannt. Die Identität dieser regionalen Namen wurde genetisch untersucht.
Ist Alfrocheiro für biologischen Weinbau geeignet?
Alfrocheiro kann biologisch angebaut werden, ist aber anfällig für Echten Mehltau und Botrytis. Deshalb benötigt sie eine sorgfältige Laubarbeit und einen auf die örtlichen Bedingungen abgestimmten Pflanzenschutz. Eine grundsätzlich erhöhte natürliche Widerstandsfähigkeit lässt sich für die Sorte nicht belegen.
Wozu passt Alfrocheiro am besten?
Je nach Ausbau passt Alfrocheiro zu gebratenem Gemüse, Linsengerichten, Schweinebraten oder geschmortem Lamm. Kräftigere Varianten harmonieren auch mit gereiftem Schafskäse und Wildgerichten.
Welche Weine von Biowein Iberia enthalten Alfrocheiro?
Alfrocheiro findet sich unter anderem im Abeluiz und Meia Praia von Monte da Casteleja an der Algarve sowie im Maria dos Reis von Barão & Borge aus dem Alentejo.
Dieser Artikel ist Teil unserer Rebsorten-Serie bei Biowein Iberia. Wir stellen iberische Rebsorten vor, die es verdienen, besser bekannt zu sein.
Genieße verantwortungsvoll! 18+
Autor: Mike Mehlau, https://www.linkedin.com/in/mikemehlau-biowein

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